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     Johann "Rukelie" Trollmann

Johann Trollmann

Johann Trollmann


An den "Tanz von Trollmann" können sich nur noch wenige Boxsportfreunde erinnern. Rukelie Trollmann war 1933 deutscher Meister im Halbschwergewicht. Aber nur für acht Tage. Dann erkannte der damalige Verband der Berufsboxer dem Sinto-Kämpfer aus Hannover den Titel wieder ab.

"Als offizielle Begründung wurde schlechtes Boxen genannt", sagt Hans Firzlaff. Der Autor und Zeichner, der Trollmanns Leben in einer Dokumentation festgehalten hat, berichtete im Rahmen der Ausstellung "Der nationalsozialistische Völkermord an Sinti und Roma" in der Volkshochschule Hannover über das Schicksal des Boxers, der wegen seiner Herkunft nicht Meister sein durfte.

Bereits mit acht Jahren kommt der junge Rukelie erstmals mit Boxen in Berührung. Er ist vernarrt ins Faustfechten. 1928 zählt der eher schmächtige Mittelgewichtler zu den Kandidaten für die Olympischen Spiele in Amsterdam. Weil sein Verein BC Heros Hannover ihn aber nicht genügend unterstützt, schließt er sich dem Arbeiterclub Sparta Linden in Hannover an.

1929 zieht der in Hannover in einer Sinti-Familie aufgewachsene Rukelie Trollmann nach Berlin, wo eine kurze und erfolgreiche Profi-Laufbahn beginnt. Sein eleganter Kampfstil begeistert viele Fans, mit ausgefeilter Technik und auf schnellen Beinen bezwingt der 72 Kilogramm-Mann auch bedeutend schwerere Gegner. Allein 1932 steigt er zu 19 Kämpfen in den Ring.

Als er 1933 den Kieler Adolf Witt im Kampf um die deutsche Meisterschaft im Halbschwergewicht einstimmig besiegt, sieht sich Rukelie Trollmann am Ziel.

Doch den Nazis, die inzwischen an der Macht sind, passt der erfolgreiche "Zigeuner" nicht in das Weltbild. Der Profiverband - acht der zehn Präsidiumsmitglieder waren nach Firzlaffs Recherchen in der NSDAP - erkennt ihm den Titel wieder ab. Dafür setzt der Verband einen Kampf gegen das Berliner Box-Idol Gustav Eder an. Trollmann soll auf seinen typischen Kampfstil verzichten und mit offenem Visier "Fuß bei Fuß" kämpfen. Er hält sich an die Anweisung und geht nach einer Ringschlacht in der fünften Runde schwer K.o. gegen den späteren Europameister.

Damit war die Karriere von Rukelie Trollmann praktisch beendet. Auch der Versuch, die Haare blond zu färben und damit gegen die Bezeichnung "Gipsy-Boxer" zu demonstrieren, führt nicht zum Erfolg. Nach einem "Rummelboxen" auf dem Klagesmarkt in Hannover wird er 1935 aus dem Box-Verband ausgeschlossen. Der Druck auf Sinti und Roma nimmt zu. Trollmann, dessen Brüder ebenfalls im Ring standen, lässt sich von seiner Frau scheiden, damit die Tochter einen anderen Namen annehmen kann.

Er wird zur Wehrmacht eingezogen, später entlassen und in das Konzentrationslager Neuengamme bei Hamburg eingeliefert. Im KZ muss Trollmann gegen SS-Leute boxen. Am 9. Februar 1943 kommt er in Neuengamme ums Leben. Verwandte berichten von einem Genickschuss, als Todesursache steht "Kreislaufschwäche" in den Papieren. Nach Kriegsende gerät er in Vergessenheit. In Broschüren seines alten Vereins taucht sein Name nicht auf. Inzwischen ist aber die Stadt Hannover auf das Schicksal ihres ehemaligen Bürgers aufmerksam geworden. Es gibt Bestrebungen, mit einem Gedenkstein auf dem Friedhof an den Boxer, der nicht siegen durfte, zu erinnern. (dpa/Dez. 99)

Für die freundliche Erlaubnis, das Foto und den Artikel veröffentlichen zu dürfen, danke ich Herrn René Firzlaff, Satire-Verlag (www.satire-verlag.de).


Hannovers Stadtmannschaft 1928. Fr. Müller, Otto, Schiller, Brofazi, Köhler, Wackernagel, Trollmann, Schröder, Lücke, Endlich (von li. nach re.). Für ein größeres Bild bitte anklicken.
Hannovers Stadtmannschaft 1928. Fr. Müller, Otto, Schiller, Brofazi, Köhler, Wackernagel, Trollmann, Schröder, Lücke, Endlich (von li. nach re.). Für ein größeres Bild bitte anklicken.



Erzählt es euren Kindern – Der Holocaust in Europa
Im März 1933 wird dem deutschen Boxmeister im Mittelgewicht, Erich Seelig, der Titel weggenommen. Der einzige Grund: Er ist Jude. Der Titel bleibt bis Juni 1933 frei. Dann werden zwei ganz ungleiche Boxer gegeneinander aufgestellt:

In der einen Ringecke steht am 9. Juni 1933 ein "Arier", Adolf Witt. Er hat eine starke Rechte. In der anderen Ecke steht Johann Trollmann. Der "gleichgeschaltete" Deutsche Boxverband hat zu verhindern versucht, dass Trollmann um den Titel kämpft. Der Grund: Er ist "Zigeuner". Doch Johann Trollmann, oder "Gipsy", wie er sich mit Künstlernamen nennt, ist einer der bekanntesten Boxer Deutschlands. Und die Nationalsozialisten reagieren auf Stimmungen in der Bevölkerung. Der Boxverband hat schließlich eine Ausnahme gemacht, aber Witt gegen Trollmann aufgestellt, weil er annimmt, dass der körperlich Größere gewinnt.

Aber am 9. Juni wird Adolf Witt von seinem Gegenüber gedemütigt: Der 26-jährige Trollmann tanzt ihn zwölf Runden lang aus und sammelt Punkt für Punkt. Die Veranstalter sind erbost, der Kampf wird unentschieden gewertet. Die Zuschauer geraten daraufhin in Aufruhr, protestieren minutenlang lautstark und drohen, die Halle kurz und klein zu schlagen. Schließlich beugen sich die Veranstalter und erklären Trollmann zum Deutschen Meister im Mittelgewicht. Kurz darauf aber wird er in der Fachzeitschrift Boxsport angegriffen: Er habe "artfremd" und "theatralisch" geboxt. Man verhöhnt seine "zigeunerhafte Unberechenbarkeit" und acht Tage später wird ihm der Titel wieder aberkannt. Er darf nicht mehr an Titelkämpfen teilnehmen; seine Karriere ist beendet. Schon vorher aber ist ein weiterer Kampf organisiert worden. Es geht um nichts. Diesmal erscheint Trollmann mit blondierten Haaren. Anstatt um seinen Gegner herumzutanzen, bleibt er unbeweglich in der Mitte des Ringes stehen und nimmt Schlag für Schlag hin. - In der fünften Runde wird der blutüberströmte "Gipsy" ausgezählt.

Zwei seiner Brüder werden in Konzentrationslager eingewiesen. Ab 1939 ist Troll-mann Soldat und muss später als Infanterist an der Ostfront kämpfen. Während eines Urlaubs 1942 wird er von der Gestapo verhaftet und in das Konzentrations-lager Neuengamme überstellt. Dort muss er schwerste Arbeiten verrichten. Auf ihren "Feiern" vergnügen sich die groß gewachsenen SS-Wächter mit dem Spiel "Deutscher Meister": Sie boxen mit dem ausgehungerten und abgemagerten 35jährigen Trollmann. Am 9. Februar 1943 sind die SS-Leute dieses bösen Spiels überdrüssig und erschießen Johann Trollmann.

aus: Stéphane Bruchfeld/Paul A. Levine, 2001, Erzählt es euren Kindern – Der Holocaust in Europa – Seite 30; erschienen im C. Bertelsmann Jugendbuch Verlag, ein Unternehmen der Verlagsgruppe Random House. Mit freundlicher Genehmigung der Verlagsgruppe Random House.


Abschrift aus: Career Record - © www.boxrec.com
Der Kampfrekord

Rukeli Trollmann
Alias Johann Wilhelm Trollmann
Country German
Hometown Hannover
Birthplace Wilsche bei Gifhorn
Division Middleweight
Born 27.12.1907
Died 09.02.1943
Manager Zirzow
Trainer Erich Seelig

12.03.1934 - Arthur Polter - Leipzig L - PTS - 8
09.03.1934 - Walter Müller - Berlin L - PTS - 6
09.02.1934 - Walter Sabbotke - Berlin L - KO - 6
26.12.1933 - Rienus De Boer - Köln L - KO - 6
03.12.1933 - Walter Sabbotke - Hamburg L - PTS - 6
25.11.1933 - Erwin Bruch - Berlin L - TKO - 2
05.11.1933 - Gustav Eybel - Hamburg W - PTS - 10
27.10.1933 - Franz Boja - Berlin L - PTS - 8
08.10.1933 - Fred Bölck - Hamburg L - KO - 2
01.09.1933 - Walter Sabbotke - Berlin D - PTS - 8
21.07.1933 - Gustav Eder - Berlin L - KO - 5
09.06.1933 - Adolf Witt - Berlin W - PTS - 12
German Light Heavyweight Title
26.05.1933 - Otto Klockemann - Hannover W - TKO - 2
16.05.1933 - Gustave Roth - Antwerpen (B) L - PTS - 10
21.04.1933 - Walter Eggert - Berlin - D - PTS - 8
12.04.1933 - Hans Fraberger - Wien (A) W - TKO - 9
31.03.1933 - Hans Seifried - Berlin D - PTS - 8
12.03.1933 - Helmut Hartkopp - Hamburg W - DQ - 3
26.02.1933 - Fred Bölck - Hamburg W - TKO - 2
03.02.1933 - Claude Bassin - Berlin D - PTS - 10
20.01.1933 - Karl Ogren - Berlin D - PTS - 8
27.12.1932 - Hein Domgörgen - Berlin L - PTS - 8
11.12.1932 - Adolf Witt - Hamburg L - PTS - 10
27.11.1932 - Adolf Witt - Hamburg D - PTS - 8
18.11.1932 - Julian van Hooft - Magdeburg W - TKO - 6
09.11.1932 - Hein Domgörgen - Berlin D - PTS - 8
24.10.1932 - Josef Czichos - Dresden W - PTS - 8
07.10.1932 - Rienus De Boer - Berlin W - PTS - 8
16.09.1932 - Onofrio Russo - Berlin W - TKO - 2
05.08.1932 - Karl Ogren - Berlin W - PTS - 8
19.07.1932 - Walter Sabbotke - Berlin W - KO - 2
03.06.1932 - Erich Seelig - Berlin L - PTS - 10
09.05.1932 - Adolf Witt - Dresden W - PTS - 8
31.03.1932 - Josef Czichos - Berlin W - PTS - 8
12.03.1932 - Hans Seifried - Berlin L - PTS - 8
04.03.1932 - Claude Bassin - Bremen L - KO - 2
26.02.1932 - Rudi Beier - Berlin W - TKO - 6
05.02.1932 - Hein Buchbaum - Bremen W - PTS - 8
29.01.1932 - Jack Beasley - Berlin D - PTS - 8
15.01.1932 - Franz Boja - Hannover W - PTS - 10
27.12.1931 - Erich Tobeck - Berlin L - PTS - 8
11.12.1931 - Paul Vogel - Berlin W - PTS - 8
20.11.1931 - Otto Hölzl - Berlin D - PTS - 8
17.04.1931 - Hein Domgörgen - Berlin L - PTS - 8
01.03.1931 - Franz Krüppel - Hagen D - PTS - 8
13.02.1931 - Erich Tobeck - Berlin L - PTS - 8
05.12.1930 - Paul Vogel - Berlin W - PTS - 6
07.11.1930 - Arie van Vliet - Hamburg D - PTS - 10
10.10.1930 - Otto Hölzl - Hannover D - PTS - 8
19.09.1930 - Hein Heeser - Hannover D - PTS - 8
29.08.1930 - Emil Koska - Berlin W - PTS - 8
04.07.1930 - Paul Vogel - Berlin W - PTS - 6
23.05.1930 - Franz Krüppel - Barmen W - PTS - 8
02.05.1930 - Georg Gebstadt - Hannover W - KO - 4
12.04.1930 - Erwin Steigler - Bochum W - PTS - 6
28.02.1930 - Walter Pönisch - Hannover W - PTS - 8
15.02.1930 - Hans Theiss - Bochum W TKO 5
10.01.1930 - Erich Tobeck - Berlin L - KO - 1
05.01.1930 - Joseph Esteve - Dortmund W - PTS - 8
27.12.1929 - Paul Vogel - Berlin W - KO - 2
04.12.1929 - Alex Tomkowiak - Hannover W - KO - 1
18.10.1929 - Willy Bolze - Berlin W - PTS - 4

Won 30 (KOs 11) Lost 19 Drawn 13 Total 62



KZ Neuengamme - das Totenbuch

Totenbuch des KZ Neuengamme
Totenbuch des KZ Neuengamme. Für ein größeres Bild bitte anklicken.


Totenbuch des KZ Neuengamme. Der Eintrag über den Tod von Johann Trollmann steht in der vierten Zeile. Für ein größeres Bild bitte anklicken.
Totenbuch des KZ Neuengamme. Der Eintrag über den Tod von Johann Trollmann steht in der vierten Zeile. Für ein größeres Bild bitte anklicken.


Die abgebildeten Dokumente (Scans) stellte Herr Herbert Diercks von der KZ Gedenkstätte Neuengamme zur Verfügung.


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© 2000,  Jens Gatzenmeier

 Stand: Oktober 2007