http://www.ac-einigkeit.de

Athleten-Club Einigkeit Elmshorn von 1893 e.V.

Vereinslogo

AC Einigkeit Boxring

Der Boxsport  -  Geschichte
Lebensläufe

  Startseite
  Nachrichten
  - Die blaue Ecke
  - Ringgeflüster
  Sportkalender
  Der Verein
  - Wir über uns
  - Training
  - Kontakt
  - Boxer + Erfolge
  - Mitgliedsbeitrag
  - Regelwerk
  - Vereinschronik
  Der Boxsport
  Seitenübersicht
  Suchen + finden
  Über diese Seite
zurück ]

     Herbert Nürnberg

Herbert Nürnberg


Zeitschrift BOXRING

Alte Boxgeschichten immer interessant - und wissenswert
aus: Boxring 1956

Das Wichtigste ist der Charakter

Ein Blick auf die Ehrentafel der Europameisterschaften zeigt, daß es bisher nur einem Deutschen gelang, sich mehr als einmal mit dem Titel eines Europameisters zu schmücken. Herbert Nürnberg (Hamburg), der auch in Dresden und Berlin mehrere Jahre zu Hause war, vollbrachte diese beachtliche Leistung. Nur gerade ein Dutzend von insgesamt 140 ermittelten Europameistern sind es, die öfter als einmal die Meisterwürde errangen: Zum Beispiel der Schwergewichtler Schozikas (UdSSR) wurde 1953 Europameister und verteidigte im letzten Jahr, wie viele von uns wissen werden, den Titel mit Erfolg. Im gleichen Limit hatten es Tandberg (Schweden) 1937 und 1939 sowie sein Landsmann Ramm 1927 und 1928 geschafft. Im Halbschwergewicht 1937 und 1939 Musina (Italien), Papp (Ungarn) 1948 und 1949 im Mittelgewicht, 1951 im Halbmittelgewicht, Torma (CSR) 1948 und 1949 im Weltergewicht, 1951 und 1953 von Chychla (Polen) abgelöst. Wissen (Belgien) 1947 und 1948 im Leichtgewicht, sowie Sergo (Italien) 1936, 1937 und 1939 im Bantamgewicht. Von dem knappen Dutzend, dem es innerhalb der 31 Jahre gelang, mehrmals den Titel zu holen, schoß jedoch der ungarische Vertreter Ennekes den Vogel ab. Ennekes vollbrachte die imponierendste Tat, indem er sich viermal in die Liste der Europameister eintrug. Im Fliegengewicht war er 1930, 1932 und 1937 Titelhalter und 1934 im Bantamgewicht. Das ist eine Leistung, die bisher keiner erreichte.

Wir, die wir alle wissen, wieviel Anstrengungen, Schweiß und Nervenkraft nötig sind, um den Gipfel zu erklimmen, und denen klar ist, in welch außerordentlichem Maße alle Energie aufgewandt werden muß, um ihn auch zu halten, können ermessen, was für eine gewaltige Leistung das war. Die Schlußfolgerung daraus kann also nur lauten: "Der Boxsport fördert charakterbildende Elemente in positivem Sinne. Das hat auch schon der ungeschlagen seinen Weltmeistertitel zurückgebende Gene Tunney auf die Frage, was das Wichtigste beim Boxen sei, geäußert: Er antwortete nämlich: "Der Charakter!" Es gibt viele junge Menschen, die genug Kräfte und Mut haben und alle möglichen anderen körperlichen Eigenschaften, um ein guter Boxer zu werden, aber es fehlen ihnen oft die moralischen Werte. Der Boxsport ist eine Mühle, die hart mahlt und die vernichtet, was nichts taugt."

Inwieweit das auf Nürnberg zutrifft, dürfte ein Porträt des Experten G. H. Hesse aufzeigen. Er schrieb: Nürnberg war immer ein Mann der Überraschungen, mal nach der. guten, mal nach der schlechten Seite. Folgte er den Anweisungen des Trainers, ging alles gut, ließ er sich gehen, dann verdarb er sich mit seinem überschäumendem Temperament die besten Chancen. Schon frühzeitig offenbarte sich das große Talent des Hamburgers. Als er 1933 zum erstenmal die Norddeutsche Meisterschaft gewann, war er 18 Jahre alt und hatte schon 50 Kämpfe hinter sich, von denen er nur wenige verlor. Wie alle guten Boxer war er aus der Jugendklasse aufgestiegen und zweimal Turniersieger geworden. Mit 18 Jahren bestritt Nürnberg auch die erste Deutsche Meisterschaft, kam aber über die Vorrunde nicht hinweg, er war noch nicht sattelfest, sein Charakter war noch nicht genügend gefestigt, bei ihm war noch alles in Aufruhr. Die überschäumende Kraft seines jugendlichen Temperaments diktierte gleichermaßen seine Denktätigkeit und Handlungsweise, wobei sich das Geltungsbedürfnis stark bemerkbar machte. Der Lebenslauf derartiger Kraftnaturen verläuft nicht immer filzpantoffelweich auf gebohnertem Parkettboden. Aber sie setzten sich durch!

Episoden aus Nürnbergs jungem Dasein geben Beispiele, hat er doch schon frühzeitig Federn lassen müssen. Die Boxernase ist ein nicht zu verkennendes Zeichen dafür. Aber kurioserweise stammt diese Deformierung seines Gesichtsvorsprunges nicht vom Boxen. Ein Fußtritt beim Fußballspielen verunstaltete diesen edlen Gesichtsteil, der aber wieder einigermaßen zurechtwuchs, woraus zu schließen ist, daß man beim Boxen von starken Fäusten bewahrt bleiben kann, wenn man sich zu wehren versteht, während man bei der Jagd nach der braunen Lederkugel eins auf die Nase gesetzt bekommen kann.

Herbert Nürnberg ist gewiß ein Mensch, der zu sportlichen Großtaten berufen war. "Das Holz ist gut, aus dem Brauchbares geschnitzt werden kann, aber es werden noch viele Späne fallen, ehe es zum ganzen Menschen und vorbildlichen Sportsmann wird."

Gaudl und Schmidt hobelten aus der Fülle unserer eigenen Aufzeichnungen dies:
Als 1914 der erste Weltkrieg ausbrach, wurde Herbert geboren und zwar am 27. Juli in Kiel. Nach der Schulentlassung lernte er Steinmetz. Als er in Hamburg war, war Otto Schmidt sein Trainer und später in Dresden unser lieber Sportfreund Fritz Gaudl. Bis 1934 hatte er etwa 75 Kämpfe absolviert, aber keine Spitzenreiter geboxt. Im folgenden Jahr verloren unter anderem Meseberg (Magdeburg), Schulze (Staßfurt), Schulze (Magdeburg), Spora (Dortmund), Rust (Bremerhaven) und Pruss (Hamborn) gegen ihn.

Wie er Meister wurde
Nürnberg (Dresden) - Büttner (Breslau) standen damals im Finalekampf. Trotz aller Erfahrungen und Gerissenheit war Büttner diesem Mann nicht gewachsen. Nürnberg zeigte kolossale Energie und einen selten gesehenen Angriffs- und Siegeswillen. Mit beiden Händen schlagend, raste er hinter dem rückwärts rennenden Breslauer hinterher und schlug derart hart, daß Büttner nicht mehr zum Zuge kam. Eine schwere Rechte brachte eine alte Verletzung Büttners wieder zum Bluten, er deckte gut ab, mußte aber linke Haken gegen das Kinn einstecken. In der zweiten Runde kam schon das Ende, neuerliche Rechtstreffer von Nürnberg, und der Ringrichter mußte auf Anordnung des Arztes abbrechen. Damit war Nürnberg Sieger und Leichtgewichtsmeister.


Herbert Nürnberg

Im Teatro Puccini wurde noch im gleichen Jahr Nürnberg der Europameistergürtel um die Hüften gelegt. Stepolo (Estland) wurde von Nürnberg auf den Platz verwiesen, und zwar so: Während das Publikum lärmte und tobte, begannen beide ihren Kampf. Nürnberg griff zuerst an, trieb gut mit linken Geraden und hielt den Gegner auf Distanz. Gegen Schluß der Runde begann dann der Deutsche mit wuchtigen Links-rechts-Treffern den Esten zu überfallen. Stepolo geriet hier schon in Schwierigkeiten, revanchierte sich aber im Nahkampf mit einem Kopfstoß, der Nürnberg eine Verletzung des Nasenrückens einbrachte. Die zweite Runde war anfangs unübersichtlich, bis Nürnberg wieder auf lange Distanz ging, mit der Linken vorfühlte, dann die Rechte wuchtig hinterher stieß. Einer dieser Volltreffer brachte den harten Gegner für drei Sekunden von den Beinen, und auch in der dritten Runde war der Deutsche durch seine überlegene und klarere Arbeit im Vorteil. Er gewann auch diese Runde und damit 1937 die Europameisterschaft. Auf der "grünen Insel" in Dublin wurden 1939 die Europameisterschaften durchgeführt, und unserem Herbert gelang es als einzigem des deutschen Teams, einen Europameistertitel, oder besser gesagt, seinen Titel wieder mit nach Deutschland zu nehmen. Der Berliner ging von Hause aus auf Entscheidung aus, hatte aber bei dem starken, wenn auch boxerisch nicht ebenbürtigen Estländer Kenepi zunächst kein Glück. So verlegte sich Nürnberg noch in der ersten Runde mehr aufs Boxen und brachte die Linke so oft durch, daß er nach Punkten führte. In der zweiten Runde gelangen unserem Manne gleichfalls einige gute Schüsse, zumal Kenepi nichts Besseres zu tun wußte, als ständig vorwärts zu marschieren. Nürnberg holte sich bei einem seiner Aufwärtshaken eine ziemlich erhebliche Handverletzung, stand aber auch die dritte Runde durch, um einen klaren Sieg zu landen. Wie er uns nach seinem Kampf erklärte, hatte er mit dem Gegner weit mehr Arbeit, als er vorher vermutete, und vor allem die größere Kraft Kenepis im Nahkampf machte ihm sehr zu schaffen, Nürnbergs kämpferische Leistung ist um so höher zu bewerten, als sich der Europameister bekanntlich nicht in allerbester Form befand.

Autogramm von Herbert Nürnberg


Wichtiger Hinweis:
Trotz umfangreicher Ermittlungen war es mir leider nicht möglich, den Verfasser, Herrn Fenelon Thieme, ausfindig zu machen.
Einer Empfehlung der Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) zufolge, bitte ich den Verfasser oder den nach dem Urheberrechtsgesetz rechtmäßigen Rechtsnachfolger um eine Kontaktaufnahme mit mir.


Abschrift aus: Career Record - © www.boxrec.com
Der Kampfrekord

Herbert Nürnberg
Country German
Birthplace Kiel
Division Lightweight
Born 16.07.1914
Died n.n.

15.04.1951 - Manfred Goerlach - Gotha D - PTS - 6
08.04.1951 - Helmut Werfel - Erfurt W - KO - 6
29.12.1950 - Franz Szuzina - Berlin L - TKO - 4
06.09.1950 - Stonewall Jackson - Hamburg D - PTS - 8
30.07.1950 - Herbert Tauber - Halle D - PTS - 8
09.06.1950 - Kurt Glink - Hamburg W - KO - 4
06.05.1950 - Hans Buttermann - Hamburg L - PTS - 6
16.04.1950 - Karl Pinsdorf - Köln W - PTS - 6
01.04.1950 - Heinz Georgi - Bremerhafen D - PTS - 6
03.03.1950 - Kurt Schaefer - Düsseldorf W - PTS - 8
25.02.1950 - Walter Demke - Berlin L - PTS - 12
German Lightweight Title
01.01.1950 - Herbert Tauber - Leipzig D - PTS - 6
18.09.1949 - Otto Domke - Düsseldorf W - KO - 1
German Lightweight Title
04.09.1949 - Horst Garz - Berlin D - PTS - 6
21.08.1949 - Willie Sippmann - Halle W - PTS - 8
24.07.1949 - Hans Baumann - Halle D - PTS - 8
19.06.1949 - Heinz Gorczyza - Halle W - PTS - 12
German Lightweight Title
06.02.1949 - Willi Walcher - Stuttgart W - PTS - 8
26.12.1948 - Hans Häfner - München N - C ND - 12
German Lightweight Title
24.10.1948 - Heinz Sander - Leipzig D - PTS - 12
German Lightweight Title
01.10.1948 - Walter Blumenthal - München W - KO - 2
10.09.1948 - Heinz Sander - Hamburg W - PTS - 12
German Lightweight Title
15.08.1948 - Mathias Luyten - Hamburg D - PTS - 8
06.05.1948 - Willi Franke - Magdeburg D - PTS - 8
25.04.1948 - Herbert Blaurock - Querfurt W - PTS - 6
29.02.1948 - Heinz Disselhoff - Köln W - KO - 3
15.02.1948 - Erich Franz - Magdeburg W - TKO - 9
01.02.1948 - Willi Domagalla - Halle W - PTS - 8
25.01.1948 - Herman Schulze - Hamburg W - PTS - 8
21.12.1947 - Willi Domagalla - Leipzig W- KO - 2
14.12.1947 - Peter Muller - Berlin D - PTS - 8
16.11.1947 - Kurt Kuklinski - Leipzig W - PTS - 8
02.11.1947 - Horst Herzog - Magdeburg W - KO - 7
05.10.1947 - Gustav Eder - Stuttgart D - PTS - 8
21.09.1947 - G Friebe - Berlin D - PTS - 8
06.09.1947 - Heinz Disselhoff - Leipzig W - TKO - 6
31.08.1947 - Freddi Teichmann - Halle W - PTS - 8
09.08.1947 - Hans Baumann - Hamburg D - PTS - 8
26.07.1947 - Dan Schink - Bremen W - KO - 6
06.07.1947 - Paul Schäfer - Lübeck W - PTS - 8
29.06.1947 - H Lesner - Leipzig W - KO - 6
22.06.1947 - Robert Virnich - Köln W - PTS - 8
06.06.1947 - Richard Stegemann - Hamburg W - KO - 2
11.05.1947 - Hermann Bieselt - Berlin D - PTS - 8
27.04.1947 - Ronald Franke - Halle W - PTS - 8
13.04.1947 - ? Hollenbender - Berlin W - PTS - 6
23.03.1947 - Rolf Diekmann - Berlin W - DQ - 4
09.03.1947 - n.n. Frei - Stuttgart W - TKO - 6
23.02.1947 - Amandus Spitzkopf - Bremerhaven D - PTS - 8
12.01.1947 - Walter Blumenthal - Berlin D - PTS - 8
26.12.1946 - E Schaefer - Hamburg W - PTS - 6
23.11.1946 - Alois Ulderich - Hamburg D - PTS - 8
10.11.1946 - P Puchalski - Hamburg W - PTS - 8
16.10.1946 - Willy Schiers - Hamburg W - PTS - 8
01.10.1946 - Paul Wommelsdorf - W - KO - 7
15.09.1946 - n.n. Prodel - Essen W - PTS - 8
01.09.1946 - n.n. Suendermann - Hamburg W - KO - 4
08.08.1946 - n.n. Putzkat - W - KO - 3
04.08.1946 - Hans Schmitz - Celle W - PTS - 8
28.07.1946 - J Schwarzkopf - Bremen W - PTS - 8
16.06.1946 - n.n. Schumacher - Delmenhorst W - KO - 4
19.05.1946 - n.n. Mirau - Bremen W - KO - 1
12.05.1946 - n.n. Kohler - Hamborn W - KO - 3
05.05.1946 - n.n. Hollenbender - Lübeck W - KO - 2
28.04.1946 - n.n. Hollenbender - Hamburg W - KO - 1
14.04.1946 - Arnold Raadsche - Harburg W - PTS - 8
10.03.1946 - n.n. Rosinski - Lübeck W - KO - 2
03.03.1946 - Rolf Diekmann - Kiel W - PTS - 6
17.02.1946 - Mathias Luyten - Hamburg W - KO - 4
20.01.1946 - Heinz Ruemke - Hamburg L - DQ - 2
16.12.1945 - Heinz Sander - Hamburg W - PTS - 6
02.12.1945 - Werner Bredehorn - Kiel W - KO - 2
25.11.1945 - Rolf Diekmann - Hamburg W - PTS - 6
06.10.1945 - Otto Götzke - Segeberg W - KO - 5

Won 51 (KOs 25) Lost 4 Drawn 18 Total 74



"Zum Goldenen Handschuh"
An Herbert Nürnberg erinnert heute noch seine Gaststätte "Zum Goldenen Handschuh" in 20359 Hamburg, Hamburger Berg 2, unweit der Reeperbahn.

Zum Goldenen Handschuh

Zum Goldenen Handschuh

Zum Goldenen Handschuh

"Zum Goldenen Handschuh" in Hamburg


nach oben zum Seitenanfang

© 2000,  Jens Gatzenmeier

 Stand: Oktober 2007