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     Herbert Runge

Herbert Runge - Foto: Boxring


Zeitschrift BOXRING

Alte Boxgeschichten immer interessant - und wissenswert
aus: Boxring Nr. 4 vom 21. Februar 1956

Schwergewichtsmeister und Olympiasieger

Im Olympiajahr, in dem man bereits darangegangen ist, die ersten Gold-, Silber- und Bronzemedaillen in Cortina d'Ampezzo bei den VII. Winterspielen zu verteilen, sollte es durchaus richtig sein, einen Streifzug durch die vergangenen Olympischen Spiele zu unternehmen. Je mehr und je bessere Kenntnisse unsere Aktiven darüber erhalten, um so besser können hieraus die Lehren gezogen und Vergleichsmöglichkeiten angestellt werden. Für unsere zukünftigen "Melbourner" dürfte das Porträt eines erfolgreichen Olympiakämpfers recht dienlich und vor allem auch Ansporn sein!

Die ersten Olympischen Sommerspiele

an denen deutsche Boxer teilnahmen, war die IX. Olympiade in Amsterdam. Gleichzeitig nahm das Olympische Boxturnier im Lande der Tulpen, der Spatenkultur und Windmühlen erstmalig den ihm gebührenden Rang ein. Denn - zwanzig europäische Nationen hatten ihre Vertreter zur Stelle und hinzu kamen die Delegationen der anderen vier Erdteile. Aus Australien kamen die Neuseeländer, während sich von der weltlichen Halbkugel Argentinier, Chilenen, Kanadier, Mexikaner und das USA-Team in Amsterdam einfanden. Aus Afrika waren die Südafrikaner und Rhodesier und schließlich aus Asien die Japaner am Start. Die Durchführung der Kämpfe war nicht ganz einwandfrei. Namentlich die Tätigkeit der Ringrichter war mehr als anfechtbar! Von der "Unfehlbarkeit" des amtierenden FIBA-Kampfgerichtes konnten vor allem die Deutschen ein Klagelied singen. Die Staffel setzte sich damals folgendermaßen zusammen: Ausböck (München), Ziglarski (Berlin), Klooß (Danzig), Dübbers (Köln), Walter (Hamburg), Leidmann (München), Pistulla (Berlin) und Hans Schönrath (Krefeld).

Ernst Pistulla im Finale
Doch nur der Berliner Ernst Pistulla erreichte den Endkampf. Von dem Argentinier Avendano mußte Pistulla eine Niederlage hinnehmen und sich mit dem zweiten Platz und dem Europameistertitel begnügen. Er hatte sich im Kampf mit Miljon (Holland) seine beste Waffe, die linke Hand, erheblich verletzt. Außerdem befand er sich in einem Zustand unbeschreiblicher Aufregung. Das Halbschwergewichts-Finale begann nämlich während eines Riesenskandals, den das durch ein Fehlurteil nach dem vorausgegangenen Kampf in einem Zustand der Raserei versetzte Publikum vollführte. Dieses doppelte Handikap zwang den eigentlichen Angriffsboxer, sich dauernd in der Defensive zu bewegen.

Pistulla traf zwar gut, aber zu selten, um den Argentinier zu gefährden. Das Urteil stand somit nie in Frage. Kaltschnäuzigkeit, starke Nerven, korrektes Landen sowie unbeugsamer Siegeswille hätten dem Deutschen die "Goldene" eingebracht.

Herbert Runge konnte das
Blättern wir in unseren Annalen einige Seiten weiter, dann finden wir, daß in Elberfeld, jener Stadt im Westen unseres Vaterlandes, die durch ihre Leinenerzeugnisse bekannt ist, Herbert Runge am 23. Januar 1913 geboren wurde.

Ein schlaksiger Lulatsch
Er erlernte das Metzgerhandwerk und trat als Jugendlicher dem Elberfelder Boxclub bei. Zuerst fiel Herbert dem Trainer Fred Buchanan lediglich durch seine Länge und Schlaksigkeit auf. Daß er ferner ziemlich große "Horcher" (Ohren) besaß, die sogar noch etwas abstanden, konnte dem Trainer auch nicht gerade imponieren. Er stellte sich vor, daß solche große Angriffsfläche zur Zielscheibe benutzt werden könnte und einige Volltreffer nach sich ziehen würde. Er nahm fast als sicher an, daß wunderschöne "Blumenkohlohren" die Folgeerscheinung sein würden. Indessen, der spindeldürre 16jährige Metzgerlehrling nützte seine "langen Löffel" richtig aus. Er hörte gut auf das, was der Lehrmeister tagsüber und der Trainer bei den abendlichen Übungsstunden sagten. Dadurch kam er gut voran und schlug alles was er vor die Fäuste bekam. Bereits im Jahre 1929 gewann er gegen Rosenkranz, Pohlmann, Sommer und Schlicht. Zwei Jahre später war er Stadtmeister, dann Bezirks- und Gaumeister. Von 1935 bis 1940 und 1942 und 1943 war er Inhaber des höchsten deutschen Titels.

Feuertaufe in Budapest
Die Kämpfe um den Titel eines Europameisters in Budapest waren Herberts erster Start im Ausland. Mit seinen zwanzig Lenzen war der Riese körperlich noch nicht ausgereift. Entsprechend seines Naturells, Temperaments und sonstiger Veranlagung wurde er zum Stilboxer ausgebildet. Er hatte keinen harten Punch und das was wir als "Killerinstinkt" bezeichnen, fehlte ihm ebenfalls. Um so mehr überraschte daher folgende Meldung:

Adelmann (Estland) - Runge (Deutschland). Der Deutsche langte einmal mit einem linken Haken zum Kopf des Gegners und nach insgesamt 28,4 Sekunden hatte er bereits gewonnen. Auch dem tschechoslowakischen Europatitelaspiranten gab er das Nachsehen. Kopecek wurde nach allen Regeln der Kunst ausgepunktet.

Im Endkampf unterlegen
In der Endausscheidung um die Europameisterschaft mußte sich Runge allerdings dem harten Finnen Gunnar Bärlund beugen. Übrigens, ohne jegliche Begleitung hatte der Finne die weite Reise unternommen und er war der einzige Boxer seines Vaterlandes, der zwischen den Seilen stand. Wie er die Europameisterschaft gewann, das geschah so: Erste Runde: Runge boxte ausgezeichnet auf Distanz und hielt auch im Nahkampf gut mit. Bärlund duckte und schob sich heran, schlug Körperserien. Durch gute Aufwärtshaken verschaffte sich Runge Luft. Er war aber gegen solch zäh und entschlossen auf Sieg kämpfenden Schwergewichtler nicht robust genug. Der Finne nahm den Aufwärtshaken, um an den Gegner heranzukommen, schlug dann wuchtig gegen die Rippen und den Magen und nahm dadurch dem Deutschen die Luft, Zweite Pfunde: Runge boxte wiederum vorzüglich, erwischte seinen Gegner hart, Bärlund wurde nervös und unsicher, ohne zu fintieren griff er an. Runge trat dann regelmäßig einen halben Schritt zurück und konterte mit knallenden Uppercuts, die stets ihr Ziel fanden. Ein herrlicher Kampf. Das Publikum raste. Runge hatte diese Runde für sich. In der Schlußrunde blutete er stark aus der Nase, war zwar schneller, ließ aber körperlich nach. So viel Mühe er sich auch gab, gegen die Bärenkräfte seines Widerparts langte es nicht.

Zwei Jahre vorausgeschaut
In seiner Nachbetrachtung zu den Europameisterschaften sagte Kollege Thoma seinerzeit über Runge noch folgendes:
"Die verantwortlichen Funktionäre sollten diesen Mann ganz besonders pfleglich behandeln, denn er hat eine große Zukunft. Beim deutschen Olympia 1936 kann er einer von denen sein, die ganz reelle Chancen auf die Goldene Medaille haben.
In der Tat, Runge wurde geschickt geführt. Er arbeitete fleißig, lebte sportgerecht und dafür blieb der Lohn nicht aus. Erwähnt sei noch, daß Runge neunzehn Länderkämpfe bestritten hat und dabei nur zweimal verlor.

Herbert Runge -re- im Kampf mit dem Argentinier Lovell.


Wichtiger Hinweis:
Trotz umfangreicher Ermittlungen war es mir leider nicht möglich, den Verfasser, Herrn Fenelon Thieme, ausfindig zu machen.
Einer Empfehlung der Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) zufolge, bitte ich den Verfasser oder den nach dem Urheberrechtsgesetz rechtmäßigen Rechtsnachfolger um eine Kontaktaufnahme mit mir.

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© 2000,  Jens Gatzenmeier

 Stand: Oktober 2007