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     Hein Müller

Hein Müller - Foto: Der illustrierte Boxring


aus: Der illustrierte Boxring Nr. 28 vom 12. Juli 1951

In memoriam Hein Müller

Ein großer Kämpfer - Opfer eines wahnwitzigen Regimes

Wenn ich die heutige Schwergewichtsgarde mit den Fightern früherer Jahre vergleiche, muß ich immer an einen Kämpfer denken, der unter ihnen aufgeräumt hätte wie der Hecht im Karpfenteich: Hein Müller, der unvergessene Ex-Europameister, den später das Hitler-Regime wie Millionen andere in den Tod schickte. Fragen Sie einmal Gustav Eder, wer seiner Meinung nach der beste deutsche Schwergewichtler war! Schmeling, Neusel, Haymann, Schönrath, Hower? Nein, - er ist ganz meiner Meinung: der war Hein Müller!

Als sich der blonde Hein als blutjunges Kerlchen in der Boxabteilung des Sportklubs "Colonia" in seiner Heimatstadt Köln anmeldete, hielt es die Vereinsleitung aus Prestigegründen für angebracht, den Jungen auf Grund seiner körperlichen Konstitution vorerst nicht öffentlich boxen zu lassen; denn Hein war lang und dürr wie eine Hopfenstange, und die Sportkameraden sprachen von ihm nur mit echt rheinischem Mutterwitz als "Kleiderspind".

Aber was ist aus diesem hochaufgeschossenen, boxbesessenen Jungen für ein Meister des modernen Faustkampfes - für ein Kerl geworden! Jahreszahlen sind nüchtern, aber hier sprechen sie doch eine beredte Sprache für den grandiosen Erfolg und Aufstieg eines Boxers. Hein Müller wurde 1925 Deutscher Amateurmeister im Weltergewicht, 1926 Deutscher Amateurmeister im Mittelgewicht. 1927 Deutscher Amateurmeister im Halbschwergewicht und Europameister der Amateure dazu. Dann ging er ins Professionallager über und eilte auch hier bald von Erfolg zu Erfolg! 1931 hatte Hein bereits nicht nur den Titel "Deutscher Schwergewichtsmeister", sondern auch den Europameistertitel aller Klassen! Welcher Faustkämpfer hat einen ähnlichen Rekord aufzuweisen zu einer Zeit, da Deutschland eine Hochburg des Faustkampfes war? Hein Müller war aber auch ein feiner Boxtechniker, ein Linkshand-Artist, wie er selten geboren wird und in der europäischen Schwergewichtsklasse heute nicht mehr anzufinden ist. Er demonstrierte in seinem vielseitigen Repertoire Boxkunst in Vollendung und hat seine große Sportgemeinde in dieser Hinsicht nie enttäuscht. Ich kannte Hein - aber richtig kennen lernten wir uns doch erst, als ich ihn 1929 am Boxring in Chicago wiedertraf. Es war damals sein erster Kampf in den Vereinigten Staaten, und sein Gegner war der stark favorisierte italienische Riese Salvatore Ruggirello - ein Fighter von reinem Wasser. Aber unser Hein gab ihm eine richtige Boxlektion und stand auf Grund seines Sieges einen Monat später erneut auf der Karte - diesmal im Hauptkampf gegen den Meister von Kanada, Elzear Rioux.

Zehn Jahre später trafen wir uns in Deutschland wieder. Hein Müller hatte in Berlin mit seiner Familie Wohnsitz genommen und Köln den Rücken gekehrt. Das Schicksal schmiedete uns mehr zusammen, und wir sind immer gute Freunde geblieben. Vom Boxring hatte sich der große, blonde Hein ganz zurückgezogen. Eine Sehnervbeschädigung seines linken Auges mahnte ihn zur Vorsicht gegenüber weiterer pugilistischer Betätigung. Zugleich war diese Verletzung aber auch die Ursache, daß Hein während des ganzen Krieges bis zwei Monate vor Toresschluß vom Heeresdienst befreit war. Doch davon später!

Ich habe in meinem Leben nie einen Menschen getroffen, der so gleichbleibend lustig und guter Laune war wie Hein Müller. Immer war er zu einem Schabernack oder Streich aufgelegt, trotzdem ihm manch harter Schicksalsschlag nicht erspart blieb.

Dazu war Hein ein idealer Familienvater. Es ist kaum vorstellbar, was dieser Hüne von Gestalt für ein weiches Herz und Gemüt für Frau und Kinder hatte. Es konnte vorkommen, daß er sich abends im Freundeskreise verabschiedete, weil er nach Hause mußte, "um seine Kinder in das Bett zu bringen". Dabei war das nie ein Scherz! Er hatte es den Kleinen versprochen und machte es wirklich! Und seiner Allerkleinsten hatte er "köllsche-plattdeutsche" Gedichte gelehrt, die sie zum Ergötzen der Freunde des Hauses vortrug. Das war unser Ex-Europameister Hein Müller außerhalb der Arena!

1945. Der Krieg geht seinem Ende zu. Hein, der aus seiner antifaschistischen Einstellung nie ein Hehl gemacht hatte, wurde zum Volkssturm eingezogen und dann als unausgebildeter Soldat in eine Panzeruniform gesteckt. Ein paar Tage vor der Kapitulation Berlins, nicht weit von seiner Wohnung entfernt, traf ihn am 27. April das tödliche Geschoß.

Es löschte ein großes Kämpferleben aus! Ein Kämpferleben, das nicht die blutgetränkte, granatendurchwühlte, dampfende Erde mit ihren Millionen nutzlos gemordeter Menschen als Kampfplatz kannte, sondern den harten, aber fairen sportlichen Wettstreit im seilumspannten Viereck.


Wichtiger Hinweis:
Trotz umfangreicher Ermittlungen war es mir leider nicht möglich, den Verfasser ausfindig zu machen.
Einer Empfehlung der Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) zufolge, bitte ich den Verfasser oder den nach dem Urheberrechtsgesetz rechtmäßigen Rechtsnachfolger um eine Kontaktaufnahme mit mir.

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© 2000,  Jens Gatzenmeier

 Stand: Oktober 2007