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     Erich Campe

Erich Campe - Foto: Boxring


Zeitschrift BOXRING

Alte Boxgeschichten immer interessant - und wissenswert
aus: Boxring Nr. 3 vom 10. Februar 1956

Campe gab das beste olympische Beispiel

Am letzten Mittwoch vollendete Erich Campe sein 44. Lebensjahr; 17 Jahre davon war er Amateurboxer, und was für einer ... ein ganz guter! In den rund 1200 Runden, die er im Seilquadrat gestanden hat, waren ihm Erfolge beschieden, wie selten einem. Sie sind aber auch eisern und zielstrebig erarbeitet worden. Nichts ist ihm in den Schoß gefallen, denn zum deutschen und englischen Meister und gar zum Olympiateilnehmer ist es - das wissen wir alle - ein langer, entsagungsreicher und oftmals dornenvoller Weg.

Mit 61 Pfund
begann Erich Campe als 13jähriger seine Laufbahn und wurde Sieger im Schülerturnier des BBV 1925. Als Halbschwergewichtler nahm er 17 Jahre später Abschied vom Ring. (Daß er nach dem Zusammenbruch des Nazireiches nochmals die Handschuhe vom Nagel nahm, mit Eder, Hucks und anderen die Fäuste kreuzte, entsprang den damaligen Verhältnissen, über die wir längst hinweg-geschritten sind, und die wir nur noch der chronologischen Folge halber erwähnen. D. Red.)

Wie er begann
Zu den boxsporttreibenden Vereinen, die die Gewähr dafür gaben, daß sie in jeder Beziehung in der Lage sind, eine sorgsame Betreuung der 12- bis 14jährigen vorzunehmen, dazu gehörte der Verein für Volkssport Teutonia. Obgleich dieser mehrmals seine Übungsräume aus wirtschaftlichen Gründen verändern mußte, blieb er doch immer in Berlin NO. Der Nordosten unserer Hauptstadt zwischen Friedrichshain und bis hinunter zum Alexanderplatz war damals, wie es heute noch der Fall ist, der "Mutterboden" der Sportjugend schlechthin und für unsere Disziplin besonders. Die Domäne großer, mittlerer aber auch kleiner Schülerboxveranstaltungen war der Sportplatz im Friedrichshain. Später kam das Eisstadion hinzu oder im Winterhalbjahr der Saalbau Friedrichshain. Erich und seine Freunde hatten also hinreichend Gelegenheit gehabt, Boxkämpfen zuzuschauen, um dann bald selbst mit Feuereifer ebenfalls mitzutun. Mit welchem Erfolg ist bereits gesagt, aber hinweisen wollen wir jetzt noch auf den richtigen Aufbau, den dieser Junge Boxer bekam. Als er das 14. Lebensjahr begann, waren die Schule und ein gutes Abgangszeugnis wichtiger als der Boxsport. Aus diesem Grunde trainierte er nur und trug keine Kämpfe aus. Erst 1927, als Werkzeugmacherlehrling, wurde Erich wieder im Fliegengewicht Turniersieger. So ging es dann Jahr für Jahr 1928, 1929 bis 1930. Auf den Wunsch seiner Eltern, der Vater war Kriminalbeamter und in seiner Jugendzeit ebenfalls Athlet, wechselte dann ihr Junior zum PSV, dem damaligen Polizeisportverein, über.

Große Aufgaben im Olympiajahr
Anno 1931 bekam Erich nur leichte Gegner vorgesetzt, mit drei Ausnahmen: Lütke (Heros), gegen den er einmal verlor und einmal gewann, und dann noch Szigeti (Ungarn), dem er im Weltergewicht unterlag. Alle übrigen hatte er besiegt.
Im Olympiajahr 1932 wurde der 20jährige dann vor große Aufgaben gestellt. Er löste sie in unerwartet glänzendem Stil. Im Weltergewicht schlug er Turquet (Paris). In der Brandenburgischen Meisterschaft ließ er Ludwig (Hermes), Hünnekens (Westen) und Berensmeier (Oberspree) hinter sich. In der Deutschen Meisterschaft schlug er Kartz (Oberhausen), Kugler (München), Mietschke (Stettin). Zur Olympia Ausscheidung mußten nochmals Lütke und Berensmeier sowie Balzer (Dortmund) von ihm Niederlagen hinnehmen. Und dann ging es

Über den großen Teich
"Die ŽEuropaŽ das Schwesterschiff der ŽBremenŽ, trat am 10. Juli von Bremerhaven aus die Fahrt mit der deutschen olympischen Vertretung an", so lesen wir in Erichs Tagebuch, und weiter: "Da uns die Seeluft sehr müde gemacht hatte, schliefen wir alle wie gewiegt bis zum anderen Morgen, als uns der Stewart mit der Trompete um sieben Uhr weckte. Nach dem Frühstück hatten wir dann eine Stunde Pause, um uns auf das Training vorzubereiten. Bei Sonnenschein und ruhiger See absolvierten wir unsere Übungen. Nach vier Runden Sparring mit dem deutschen Mittelgewichtsmeister Bernlöhr und noch einigen Runden Seilspringen und Arbeit an der Maisbirne beendeten wir das erste Training auf hoher See unter großen Beifall der Zuschauer. Das erstemal hielten wir in Southampton und zwei Stunden nachdem in Cherbourg, um einen neuen Lotsen und wiederum Passagiere aufzunehmen. Hinter Cherbourg näherte sich die "Europa" den Wellen des Ozeans, und das machte sich dann bei uns etwas bemerkbar. Um nicht an Seekrankheit zu denken, tanzten wir und waren gemütlich beieinander bis zum Schlafengehen um 11 Uhr.

13. Juli
An das Trompetensignal des Stewarts haben wir uns jetzt schon gewöhnt. Unser Training findet noch großartige Unterstützung von der Boxmannschaft unseres Schiffes. Diese Staffel ist gar nicht ohne, denn mancher bekannten Bremer und Hamburger Mannschaft haben die Jungen schon eine Niederlage bereiten können.

Am 16. Juli verließ die gesamte deutsche Olympiavertretung das Schiff und betrat New Yorker Boden. Wir Boxer aber mußten noch zwei Starts in den USA absolvieren, um die finanziellen Mittel zu bekommen, damit alle acht Boxer: Spannagel (Barmen), Ziglarski (München), Schleinkofer (München), Kartz (Oberhausen), Campe (Berlin), Bernlöhr (Stuttgart), Berger (Hamborn) und Kohlhaas (Münster) an den Olympischen Spielen teilnehmen konnten. Nur für drei, nämlich für zwei Aktive und einen Betreuer, war das Geld von den maßgeblichen Stellen bewilligt worden!! - (Es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, wollten wir alles weitere und sicherlich auch sehr interessante im einzelnen berichten. Es kann einer späteren Folge vorbehalten bleiben, falls unsere Leser daran Interesse haben. Wir würden uns freuen, wenn sie es uns mitteilen würden, damit wir ihrem Wunsche Rechnung tragen können. D. Red.).

Das Finale
Im Endkampf im Weltergewicht stand der Berliner Campe. Sein Gegner war der Amerikaner Flynn. Während des ganzen Kampfes wurde der Amerikaner von seinen Landsleuten angefeuert, aber der Deutsche ließ sich nicht beirren, boxte kalt und berechnend. Schon in der ersten Runde mußte der Amerikaner wirkungsvolle Kinnhaken nehmen. Zwischendurch funkte der Berliner seine Punktschläge. Einige Male konnte der Amerikaner Konterschläge anbringen. Campe war aber sofort wieder hinter seinem Gegner her und führte den Kampf. Groß war die Überraschung, als es hieß: "Winner, and Champion of the World, Flynn!" So konnte Erich Campe nur die silberne Medaille der X. Olympischen Spiele und den Europameistertitel im Weltergewicht mit nach Deutschland nehmen. Was aber mehr wog als alle Medaillen überhaupt war wohl das öffentliche Lob vom Präsidenten des IOC, Herrn Baillet-Latour (Frankreich): "Der Deutsche Erich Campe habe am eindeutigsten dem Begriff des ritterlichen Olympiakämpfers entsprochen." Mithin war es also einem deutschen Boxer gelungen, die olympische Idee am klarsten aufzuzeigen.

Was "Papa" Burger sagte
Der damalige, von allen Sportlern hochgeschätzte Vorsitzende des deutschen Boxverbandes hatte nach der Fahrt in einer längeren Betrachtung vieles Wertvolle aufgezeichnet. Davon möchten wir hier nur einige Sätze wiedergehen: "Was mich in erster Linie zum Schreiben bewog, war das Gefühl der Dankbarkeit für die sportlichen Leistungen, für das vorbildliche Verhalten der Mannschaft und für die herausragende Leistung unseres Erich Campe, der von allen Teilnehmern an den Spielen dem ideal eines olympischen Kämpfers am nächsten gekommen ist. Das ist nicht nur eine Auszeichnung für diesen Kämpfer, es ist eine Ehrung unserer Sportart, unseres Sportes und unseres Vaterlandes.

Aber nicht, nur als Vorsitzender, sondern auch als Mensch muß ich der Mannschaft aufrichtigen Dank sagen. Wenn man zwei Monate tagaus, tagein mit jemandem zusammen ist, dann kann man manchen Blick in die Seele des anderen tun. Und da hat so manches kleine Erlebnis gezeigt, daß wir prachtvolle Burschen in der Mannschaft haben. Darum muß ich dem offiziellen Dank an die Staffel auch meinen persönlichen anschließen. Denn ihr danke ich es, daß mir mein Lebensabend eine Erinnerung beschert hat, die eine der schönsten meines Lebens bleiben wird."


Wichtiger Hinweis:
Trotz umfangreicher Ermittlungen war es mir leider nicht möglich, den Verfasser, Herrn Fenelon Thieme, ausfindig zu machen.
Einer Empfehlung der Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) zufolge, bitte ich den Verfasser oder den nach dem Urheberrechtsgesetz rechtmäßigen Rechtsnachfolger um eine Kontaktaufnahme mit mir.

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© 2000,  Jens Gatzenmeier

 Stand: Oktober 2007