http://www.ac-einigkeit.de

Athleten-Club Einigkeit Elmshorn von 1893 e.V.

Vereinslogo

AC Einigkeit Boxring

Der Boxsport  -  Geschichte
Lebensläufe

  Startseite
  Nachrichten
  - Die blaue Ecke
  - Ringgeflüster
  Sportkalender
  Der Verein
  - Wir über uns
  - Training
  - Kontakt
  - Boxer + Erfolge
  - Mitgliedsbeitrag
  - Regelwerk
  - Vereinschronik
  Der Boxsport
  Seitenübersicht
  Suchen + finden
  Über diese Seite
zurück ]

     Die Brüder Johannpeter
Alle Johannpeters auf einem Foto: (von links - hintere Reihe): Erwin, Horst, Dieter, Theo, Günter, Harry, Walter, Karl-Heinz, vorne: Hans-Jürgen und Wolfgang - für ein größeres Foto bitte anklicken.

Alle Johannpeters auf einem Foto:
(von links - hintere Reihe): Erwin, Horst, Dieter, Theo, Günter, Harry, Walter, Karl-Heinz, vorne: Hans-Jürgen und Wolfgang.
Für ein größeres Foto bitte anklicken.
(© Foto: Karl-Heinz Johannpeter privat)


-jg- Boxende Brüder gab es schon immer und wird es in Zukunft immer wieder geben. Als das bekannteste Brüderpaar gelten Vitali und Wladimir Klitschko.

Aber, was sind zwei Klitschkos gegen eine weltweit einmalige Boxbrüderschaft von 10 Boxern?

Vierzehn Kinder waren die Johannpeters aus Hamm/Westfalen: drei Schwestern und elf Brüder. Sechs Brüder teilten sich ein Zimmer mit drei Betten.

Im Frühjahr 1947 sahen die Brüder in einer Turnhalle in Hamm einen Einlagekampf ihres Vetters Siegfried. Bei diesem Einlagekampf gab es keinen Sieger, aber beide Boxer erhielten zur Belohnung eine Tafel Schokolade. Die Brüder waren beeindruckt, vom Kampf ihres Vetters und von der Schokolade. Schokolade war bei den Johannpeters Luxus, und so meldeten sich die drei ältesten Brüder beim Boxring 31 Hamm an, die anderen folgten ausnahmslos und jeder wollte der Beste sein.

Vereinswirt Witteborg erkannte das Talent der Brüder und engagierte einen prominenten Trainer, den ehemaligen Meisterboxer Erich Trippe aus Dortmund. Trippe brachte ihnen die Grundlagen bei und zeigte Ihnen, daß es nicht darauf ankam, wild zu schlagen, sondern keine Treffer einzustecken. "Boxen beginnt mit der Verteidigung" war sein Leitsatz. Und er stachelte den Ehrgeiz der Brüder weiter an: "Wenn ihr mal vom Geld anderer Leute die Welt sehen wollt, müßt ihr in die Nationalmannschaft!" Andere Länder zu sehen und dabei Länderkämpfe zu bestreiten, war für die Brüder damals noch unvorstellbar. Sie haben aber Trippes Satz nicht vergessen.

Mit dem Zusammenschluß von Boxring 31 und Boxring 46 Heessen zum legendären "Märkischen Boxring Hamm" übernahm der Erfolgstrainer Jupp Eickhoff das Training. Mit ihm kam auch für die Johannpeterbrüder der Erfolg.

Zehn von ihnen boxten von 1947 bis 1972, sechs für die deutsche Nationalmannschaft.
Ihre Bilanz ist spektakulär:
1824 Kämpfe trugen die Brüder aus, wobei keiner von Ihnen jemals einen Kampf vorzeitig durch einen Kopf-KO verlor. Für die deutsche Nationalmannschaft wurden 28 Länderkämpfe ausgetragen. Acht Brüder wurden Meister und holten sechs deutsche und viele Vizemeister und Westfalentitel.

1954 gewann Dieter bei den Junioren im Bantamgewicht die erste deutsche Meisterschaft, Horst wurde in die Nationalstaffel berufen und die Eltern und Brüder konnten ihn bei den deutschen Meisterschaften im Berliner Sportpalast erstmals im Fernsehen bewundern. Er unterlag im Endkampf gegen Harry Kurschat. Nicht schlimm, meint Horst heute, denn in den folgenden Jahren holte er noch zwei Titel. Karl-Heinz gewann sogar drei Titel und wurde der erfolgreichste der Brüder. Von den Meisterschaftsschärpen hat er nur noch eine, die anderen hat er für Karnevalsfeiern an Verwandte ausgeliehen und nicht zurückbekommen.

1957 war das erfolgreichste Jahr der Boxbrüder: in verschiedenen Gewichtsklassen standen bei den Deutschen Meisterschaften in Kiel gleich vier von ihnen im Endkampf, allerdings gewann nur Karl-Heinz den Titel eines Deutschen Meisters im Weltergewicht.

So wie unter Klitschkos war damals ein Duell unter Brüdern tabu. "Wie soll man", sagt Horst Johannpeter, "gegen einen kämpfen, mit dem man sich das Bett teilte?"

Boxende Brüder wurden früher ganz einfach durchnummeriert und so wurden die Johannpeters I bis X bundesweit im Ring gefürchtet und so bekannt wie die damaligen Fußballgrößen Uwe Seeler oder Fritz Walter. Die Auftritte der Elite-Staffel aus Hamm sorgten häufig für volle Hallen. Unvergessen auch der Auftritt auf einer Veranstaltung im Jahre 1958: sieben Johannpeters forderten die schwedischen Nationalboxer und gewannen haushoch.

Als 1971 der letzte Johannpeter die Boxhandschuhe an den Nagel hing, hieß es in einer Zeitung: "Die schlagkräftigste Familie der Welt boxt nicht mehr".

Auch heute ist der familiäre Zusammenhalt ungebrochen, sagt Horst Johannpeter. Niemand boxt mehr, die Kinder sind nicht in die Fußstapfen ihrer Väter gestiegen.

Trotz der schwierigen Zeit nach dem Krieg haben sich alle Brüder auf dem 2. Bildungsweg nach oben durchgekämpft und wurden z.B. Lehrer, Kaufmann oder Bergbauingenieur.

Es gibt ein Buch mit fast biografischen Zügen über die Familie Johannpeter (Heinrich Peuckmann: Die Schattenboxer, Verlag Middelhauve, 12,95 Euro). Für die kleinen literarischen Ausflüge Peuckmanns zeigt Horst Johannpeter Verständnis, denn wäre alles so geschrieben worden, wie es wirklich war, niemand hätte es geglaubt.


Die Kampfrekorde der Brüder:
   Harry:
74 Jahre, 75 Kämpfe, langjähriger Trainer und Funktionär in Oelsnitz/Erzgeb. (DDR)


   Horst:
71 Jahre, 315 Kämpfe, DM 1958 und 1959 im H.- Weltergewicht, Vize 1954 und 1957, JDM-Vize 1949, 15 Länderkämpfe, Beruf: Dipl-Ingenieur


   Karl-Heinz:
70 Jahre, 285 Kämpfe, DM 1957, 1958, 1959 im Weltergewicht, DM-Vize 1956, 11 Länderkämpfe, 32 Jahre hauptamtlicher Landestrainer in NRW, Sportlehrer, Diplomtrainer des DSB, z.Z. Koordinator der A-Trainerausbildung im DBV


   Günter:
69 Jahre, 220 Kämpfe, DM-3. Platz 1956, DM-Vize 1957 im Federgewicht, 4 Länderkämpfe, Brandoberamtsrat (stellvertretender Leiter der Feuerwehr Hamm)


   Dieter:
67 Jahre, 215 Kämpfe, DJM 1954, DJM-Vize 1955, 1957, 1958. DM-Vize im Leichtgewicht 1960 und 1962, 6 Länderkämpfe, Obergerichtsvollzieher


   Erwin:
66 Jahre, 280 Kämpfe, DM-Vize 1956 im Jun.-Federgewicht, Westd. Meister 1961 im Weltergewicht, 4 Länderkämpfe, Staatl. geprüfter Schwimmmeister


   Theo:
64 Jahre, 80 Kämpfe, 3. Jun.-DM 1961, Kaufmann


   Walter:
63 Jahre, 200 Kämpfe, DJM-Vize 1959, Westd. Meister 1961 und 1962, Bronze-Militärweltmeisterschaften im Weltergewicht, 3 Länderkämpfe, Lehrer–Konrektor


   Wolfgang:
150 Kämpfe, Westd. Meister im Weltergewicht 1971 und 1972, 2 Länderkämpfe, Feuerwehrinspektor


   Hans-Jürgen:
55 Jahre, nur kurzfristig geboxt, 4 Kämpfe, Friseurmeister


Sportpressefest in Frankfurt/Main im März 1959. Die Johannpeters mit Max Schmeling in ihrer Mitte.

Sportpressefest in Frankfurt/Main im März 1959. Die Johannpeters mit Max Schmeling in ihrer Mitte.
(© Foto: Karl-Heinz Johannpeter privat)
Sportlerehrung in Hamm 1977. Horst (li.) und Karl-Heinz Johannpeter im Gespräch mit Max Schmeling

Sportlerehrung in Hamm 1977. Horst (li.) und Karl-Heinz Johannpeter im Gespräch mit Max Schmeling
(© Foto: Karl-Heinz Johannpeter privat)

Die Brüder mit ihren Eltern - für ein größeres Foto bitte anklicken.


Die Brüder mit ihren Eltern - für ein größeres Foto bitte anklicken.
(© Foto: Karl-Heinz Johannpeter privat)

Die Brüder in den 70er-Jahren - für ein größeres Foto bitte anklicken.


Die Brüder in den 70er-Jahren - für ein größeres Foto bitte anklicken.
(© Foto: Karl-Heinz Johannpeter privat)

Auf dem Sportpressefest 1986 mit der Mutter - für ein größeres Foto bitte anklicken.


Auf dem Sportpressefest 1986 mit der Mutter - für ein größeres Foto bitte anklicken.
(© Foto: Karl-Heinz Johannpeter privat)

DM 1959 - die Schornsteinfeger brachten Glück! - für ein größeres Foto bitte anklicken.


DM 1959 - die Schornsteinfeger brachten Glück! - für ein größeres Foto bitte anklicken.
(© Foto: Karl-Heinz Johannpeter privat)

Karl-Heinz und Horst freuen sich über ihre Meistergürtel.


Karl-Heinz und Horst freuen sich über ihre Meistergürtel.
(© Foto: Karl-Heinz Johannpeter privat)

Der größte Erfolg: Horst und Karl-Heinz sind nach 1959 Deutsche Meister - zum zweiten Mal hintereinander.


Der größte Erfolg: Horst und Karl-Heinz sind nach 1959 Deutsche Meister - zum zweiten Mal hintereinander.
(© Foto: Karl-Heinz Johannpeter privat)

Karl-Heinz mit Lazlo Papp 1984 in Karlsruhe.


Karl-Heinz mit Lazlo Papp 1984 in Karlsruhe.
(© Foto: Karl-Heinz Johannpeter privat)

Karl-Heinz und Günter mit Teofilo Stevenson 1995 in Berlin.


Karl-Heinz und Günther mit Teofilo Stevenson 1995 in Berlin.
(© Foto: Karl-Heinz Johannpeter privat)

Karl-Heinz Johannpeter anläßlich der Trainer-B-Prüfung in Hamburg-Wentorf 2005


Karl-Heinz Johannpeter anläßlich der Trainer-B-Prüfung in Hamburg-Wentorf 2005

Die Schattenboxer


"Die Schattenboxer" von Heinrich Peuckmann, Middelhauve Verlag, München ISBN 3-7876-9709-8, 2000

50 Jahre MBR Hamm


Der "Märkische Boxring 31/46 Hamm" hat anläßlich seines 50jährigen Bestehens eine umfangreiche, mit sehr vielen Fotos ausgestattete Chronik herausgegeben. Diese Chronik enthält viele Informationen über die sportlichen Werdegänge der Brüder Johannpeter.

nach oben zum Seitenanfang

© 2000,  Jens Gatzenmeier

 Stand: Oktober 2007