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     Boxen in Hamburg
Hamburg hat dem deutschen Boxsport eine ganze Reihe guter, ja, überragender Kämpfer gegeben. In Hamburg geborene, Zugereiste oder zu Hamburgern gemacht, weil sich diese – wie auch jede andere Stadt – mit solchen Männern gern geschmückt hat.

Da sind:

Im Fliegengewicht Archie Graf, 1936 Olympiasieger. Heinz Götzke (auch eine Fliege) und sein Bruder Otto, der es im Bantamgewicht zu Meisterehren brachte. Peter Goschka wurde in dieser Klasse sogar Vize-Europameister.

Herbert Nürnberg, in Kiel geboren, für Berlin boxend, doch ein "Ur-Hamburger" (an anderer Stelle mehr) wurde im Leichtgewicht zweimal Europameister und um seine Teilnahme an den Olypischen Spielen 1936 betrogen.

Dieter Kottysch wurde im Halbmittelgewicht 1972 Olympiasieger. Und schließlich Addi Baumgarten, den die "Alten" viele Jahre lang für den besten Boxer hielten, der je in Hamburg die Handschuhe angezogen hat.

Halt, Max Schmeling ist natürlich die Ausnahme. Auch wenn er kein "richtiger" Hamburger ist. 1905 in Klein Luckow (Uckermark) geboren, kam er 1912 nach Hamburg. Sein Vater war Steuermann auf einem HAPAG-Dampfer. Maxe, der heute in Hollenstedt bei Hamburg lebt (Hunderttausende von Mark hat er schon in Sport- und Freizeitstätten der Gemeinde gesteckt), war Fußball-Torwart beim noch heute existierenden Sportverein St. Georg, begann eine kaufmännische Lehre und ging dann an den Rhein.

Sicher gibt es noch eine ganze Reihe vorbildlicher Boxer aus Hamburg. Eine Auflistung der Meister wäre angebracht.

Und dazu gehört auch Hein ten Hoff, der Riese aus dem Oldenburgischen, den die Liebe zur Schlachtermeistertochter Franziska Jung zum Hamburger machte.

Wenn von den Pionieren des Boxens in Hamburg die Rede ist, dann fallen mir einige Namen ein:

Walter Rothenburg (Lebenskünstler, Boxer, Dichter, Manager, Seemann usw.) An anderer Stelle mehr.

Paul Stephan, im Box-Jahrbuch 1930 als "Nestor des deutschen Boxsports" beteichnet, seit 1921 Vorsitzender des Hamburger Amateur-Box-Verbandes, später Ehrenvorsitzender des Nord-West-Deutschen-Amateurbox-Verbandes.

Karl Peper. Vorsitzender des Hamburger Verbandes, der nach dem 2. Weltkrieg maßgeblich am Wiederaufbau des Boxens zunächst in der britischen Zone beteiligt war. Kurt Wolff müßte hier Genaueres wissen. Peper war ein Edelamateur, gradlinig, starrköpfig, von Beruf Buchhalter. Er konnte rechnen und von ihm erinnere ich mich an einem Spruch: "Wenn ich das Geld und die Zeit, die ich für das Boxen aufgebracht habe, anders eingesetzt hätte, würde ich mindestens ein Zweifamilienhaus haben."

Zu den umstrittenen Personen gehört mit Sicherheit Hermann Krause. Hermann Krause war Vorsitzender der Box-Abteilung beim SV Polizei und wurde 1931 Vorsitzender des Hamburger Verbandes. Er mußte 1945 abgelöst werden und wurde dann als Nachfolger von Karl Peper wieder ins Amt geholt. Er wurde später Vorsitzender des Deutschen Amateur-Box-Verbandes.

Krause war ein Nazi, war bei der Polizei zuletzt im Rang eines Hauptkommissars. Er blieb auch nach 1945 bei der Polizei, wurde entnazifiziert. Die Bestrafung: Er durfte bis zu seinem Ausscheiden bei der Polizei nicht mehr befördert werden. Krause war ein Kommißkopp, aber er zeigte in Situationen Charakter, in der andere versagten. Amandus Spitzekopf, später noch Box-Profi, war Halbjude. Krause hielt seine Hand über ihn. Amandus überlebte. Außerdem gab es den Kampfrichter ???. Auch er war nach den Nazi-Gesetzen nicht arisch. Auch ihm half Krause über die Nazi-Zeit zu kommen. Die Aussagen von Amandus Spitzekopf (er hat es mir mehrfach gesagt) haben mit dazu beigetragen, daß Krause nach dem Krieg im Polizeidienst bleiben durfte.

Einer der sich große Verdienste um das Boxen erworben hat, ist Walter Rothenburg. Er war es, der die großen Kämpfe der Berufsboxer nach Hamburg holte: auf den Viktoria-Sportplatz, an den Rothenbaum, auf die Dirt-Track-Bahn und schließlich in die Hanseatenhalle, die – so berichtet die Legende – Waro gebaut hat. Sicher, von ihm ging die Initiative aus. Aber wer nach 1933 in Deutschland was auf die Beine stellen wollte, mußte sich mit den Nazis arrangieren. Sportsenator und Bürgermeister gaben ihre Zustimmung, der Reichssportführer auch. Und die Nazi-Organisation "Kraft durch Freude" karrte Tausende nach Hamburg, füllte die Hanseatenhalle und sahen den Sieg von Schmeling über Steve Hamas.
"Ich wollte immer nur den Sport, mit der Politik hatte ich nichts im Sinn", betonte Rothenburg nach dem Krieg immer wieder.

Walter Rothenburg

Walter Rothenburg



Übrigens, Waro ist auch heute auf vielen Parties dabei, denn von ihm stammen die Ohrwürmer wie "Fohr mi mal röber no´n Kohwarderheuft".

Anfänge des Boxens gab es auch beim Athletenklub "Herkules" – im Jahre 1912. Waro erinnert sich, daß man sich bei Gastwirt Peter Meyer Ecke Schulterblatt/Rosenhofstraße traf. Das ganze Vermögen der Boxer (im Klub war Ringen die Nr. 1, daneben spielte das Gewichtheben eine große Rolle) waren zwei Paar Handschuhe und guter Wille, dem Gegner einen Schlag an den kopf zu versetzen.

Bei den Trainern fallen mir die Namen von drei Männern ein:

Franz Mück, Urgestein bei der Polizei. St. Paulianer aus Überzeugung, Trainer u.a. von Hein ten Hoff, immer für einen Wortwitz gut und mit panischer Abscheu vor geregelter Arbeit. Original-Ausspruch von Mück, als er seine leere Börse begaffte und ihm jemand riet, Arbeit anzunehmen: "Ich arbeiten? – Lieber geh´ ich singen!"

Hans "Hanne" Wichmann, war der große, alte, weise Mann in der Trainer-Gilde. Ein Gesellschaftsmensch, trinkfest und immer voller Anekdoten. Joseph Conrad und Jack London (Der Ruhm des Kämpfers) aber auch andere anspruchsvolle Literatur zitierte er. Er war Vaterfigur für viele Boxer, konnte grob werden, war aber von einer unglaublichen Sensibilität, die man bei einem Boxtrainer nicht erwartet hatte. Daß ihm außerdem kein Trick inner- und außerhalb des Rings fremd war, sollte nicht vergessen werden. Die Boxer dankten es ihm.

Werner Prieß war der Meisterschüler von Hanne Wichmann. National-Staffel-Boxer und später Meistermacher beim HBC Heros Hamburg. Er, ein kleiner, oft zart wirkender Mann, zurückhaltend bis zur Schüchternheit, war einer der erfolgreichsten deutschen Box-Trainer. Die Prießsche Boxschule, das technisch saubere Boxen, machte ihn in Deutschland berühmt. Die Folge: zunächst waren es die Bayern, dann die Berliner, die ihn als hauptamtlichen Trainer holten. In Hamburg hatte man angeblich das Geld nicht. Ergebnis: nach dem Abgang von Prieß ging es auch mit dem Boxen in Hamburg abwärts – und ist bis heute nicht gestoppt.

Walter Wolf


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© 2000,  Jens Gatzenmeier

 Stand: Oktober 2007