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     40 Jahre HABV: Städtekampf HAMBURG - BERLIN

Festschrift 1960




      Inhalt:

Städtekampf
HAMBURG - BERLIN
anläßlich des 40-jähngen Bestehens des Hamburger Amateur-Box-Verbandes


Veranstalter und Ausrichter: HABV e. V. im Hamburger Sport-Bund
Gesamtleitung: H. Krause, l. Vorsitzender im HABV
Sportliche Leitung: H. Möhring, Sportwart im HABV
Technische Leitung: H. Müller, technischer Leiter im HABV
Finanzen: H. Schrader, Schatzmeister im HABV
Arzt am Ring: Dr. Hardt
Pressebetreuung: W. Wolf, Pressewart im HABV
Ringrichter: S. Hahn (Berlin) und H. Schulz (Hamburg)
Punktrichter: H. Menk (Berlin), W. Schönduwe, W. Cantzler (beide Hamburg)
Protokoll: K. Koch - Zeitnehmer: E. Gross - Sprecher am Ring: R. Lill
Berliner Mannschaftsleiter: Paul Idziok

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Unseren Freunden zum Gruß!
Von alten Freunden und ehemaligen Funktionären des Hamburger Amateur-Boxverbandes, die das Glück hatten ihre Wohnungen nicht zu verlieren, wurden mir zu unserem Jubiläum alte Programme und Zeitungsausschnitte übergeben. Besonders herzlichen Dank unserem ehemaligen Schatzmeister, Jonny Ropers, der besonders fleißig gesammelt hatte.

Wenn nun alle Kampftage von mir erfaßt wurden, - ja dann findet heute am 13. Mai 1960 der 13. Länderkampf Hamburg-Berlin statt. Man kann also wirklich nicht behaupten, daß die Amateur-Boxer abergläubische Menschen sind.

Einstmals, am 26. Juni 1924, fand im "Saalbau Friedrichshain" in Berlin der erste Städtekampf statt. Da es heute sehr interessant ist, wer damals die Farben seiner Stadt vertreten hat, lasse ich einmal das erste Programm folgen:

Fliegengewicht: Kronenberger, Hamburg - Ziglarski, Berlin
Bantamgewicht: Trödel, Hamburg - Kräker, Berlin
Federgewicht: Kruse, Hamburg, - Malz, Berlin
Leichtgewicht: Eckhardt, Hamburg - Tiedemann, Berlin
Weltergewicht: Lenkheit, Hamburg – Gaikowski, Berlin
Mittelgewicht: Rieke, Hamburg – Nispel, Berlin
Schwergewicht: v. der Walde Hamburg - Sievert, Berlin

Resultat - 12:4 für Berlin, denn es konnten nur unsere beiden derzeitigen Deutschen Meister Audi Eckhardt und Rieke gewinnen. (Kruse, der "Tiger" wurde erst später Deutscher Meister). Da uns die übrigen Hamburger Vertreter heute noch ein Begriff sind, kann man ersehen, wie gut derzeit die Berliner Boxer waren. Es wurde damals auch nur in 8 Gewichtsklassen geboxt und bei einem Unentschieden wurden 1-2 Zusatzrunden gegeben. So konnte Rieke damals erst nach der 4. Runde gewinnen. Einige von den derzeitigen Hamburger Boxern sind heute unter uns in der Ernst-Merck-Halle. Wir denken mit ihnen an die Anfangszeiten unseres Boxsportes und werden diesen Kämpfern diese Pionierarbeit für unseren Sport nicht vergessen.

Das sind nun ganze 36 Jahre her und da wir heute "jubilieren" will ich die bisherige Bilanz aufführen, damit sie für spätere Zeiten festgehalten ist: Berlin hat bisher 7mal, Hamburg 4mal gewinnen können, während ein Treffen in Hamburg unentschieden gestaltet wurde. Interessant ist auch die Feststellung, daß fast immer der Veranstalter gesiegt hat. Oder hatten unsere echten Amateure schon damals Urlaubsschwierigkeiten? (Im Falle Hermann Julow weiß ich es bestimmt.) Man hatte, wie heute vielfach auch noch, die stärkste Mannschaft zur Stelle, wenn man im Heimatort boxte. Es gibt offenbar gewisse Dinge die sich auch in 100 Jahren nicht abstellen lassen werden. Doch nun zurück zu unserem Festabend.

Sicher haben wir bis 1933 Städtekämpfe mit Köln, Hannover und auch Stettin durchgeführt. Aus irgendwelchen Gründen sind diese Städtekämpfe aber nicht zur Tradition geworden, sondern immer wieder eingeschlafen. Der Kampf unserer Boxer zwischen den beiden Großstädten ist aber immer wieder aufgelebt, auch, wenn jahrelange Pausen zwangsläufig erfolgt sind. So gab es für uns dann überhaupt auch keinen Zweifel, als wir den Entschluß fassten, unser 40jähriges Bestehen festlich zu begehen und unsere alten Freunde aus Berlin einzuladen. Für die Berliner Sportkameraden, das möchte ich ausdrücklich betonen, war es eine Selbstverständlichkeit, hier heute an den Start zu gehen. So freuen wir uns denn, daß wir nach gut 2 Jahren wieder Gastgeber in Hamburg sein können.

Herzlich Willkommen unseren Berliner Boxern und deren Begleitern. Begrüßen wir doch unter unseren Berliner Freunden wieder viele liebe Bekannte. Wir erinnern uns gern der vielen schönen Tage, die uns in Berlin immer wieder bereitet wurden. Wir haben nur den einen Wunsch, daß sich unsere Gäste in unserer schönen Hansestadt so wohl fühlen, wie wir uns immer in Berlin gefühlt haben. Möge der heutige Kampftag dazu beitragen, daß die wirklich guten Beziehungen zwischen unseren Städten erhärtet werden und die Tradition - einmal im Jahre zusammenzutreffen - nun ohne größere Pausen vor sich geht. Ein besonders herzliches Willkommen unseren auswärtigem Ehrengästen. Wir begrüßen den Ehrenvorsitzenden des D.A.B.V. und Ehrenmitglied des HABV Leonhard Mandlar, Berlin, als einen der ältesten Pioniere des Amateur-Box-Sportes. Wir begrüßen den l. Vorsitzenden des D.A.B.V. Eugen Böhm, Stuttgart. Wir begrüßen den Sportwart des D.A.B.V. Konstantin Konrads, Berlin und den Schatzmeister des D.A.B.V. Hans Stork aus Gelsenkirchen. Unser besonderer Gruß gilt auch heute allen ehemaligen Deutschen Meistern, die Hamburg in den 40 Jahren stellen konnte und alle ehemaligen Funktionäre des Hamburger Boxsportes, die wertvolle Pionierarbeit für unseren Sport geleistet haben. All die "Streiter" für unseren Sport aufzuführen, würde zu weit gehen. Wir sehen diese Idealisten ja hier unter uns und sind erfreut, daß alle gekommen sind. Einen Sondergruß auch noch unserer Hamburger Mannschaft, die nach Beendigung unserer Meisterschaften ihr Können unter Beweis stellen will. Ihnen allen aber, meine Damen und Herren, die Sie immer zur Stelle sind, wenn die Amateur-Boxer Hamburgs rufen, ein herzliches Willkommen an dieser alten Hamburger Kampfstätte.
Möge der Städtekampf Hamburg-Berlin dazu beitragen, daß noch mehr Freunde für unseren Amateur-Box-Sport gewonnen werden.

Ihr
Hermann Krause
1. Vorsitzender des H.A.B.V

Hermann Krause

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Unverwüstlich unser Dr. Hardt
In der Ernst-Merk-Halle und eigentlich überall, wo geboxt wird, hat der Doktor seinen Ehrenplatz. Wird er zum Eingreifen aufgefordert, läßt er sich auch nicht durch hektisches Geschrei aus der Ruhe bringen. Bedächtig setzt er Fuß vor Fuß, sieht sich die Verletzung an und entscheidet. Nie würde es einer der Sekundanten, die wahrhaftig nicht zurückhaltend sind, wenn es sich um eigene Leute handelt, wagen, die Entscheidung des Doktors anzutasten. Er ist eben Autorität, unantastbar in seinen Entscheidungen und trotzdem kein verknöcherter Hagestolz!

Nein, Dr. Hardt, einer der Senioren am Boxring überhaupt, ist ein Mann, dessen Liebe dem Sport und ihren Trägern, vor allem den Aktiven, gehört. Ein kleines Beispiel, es spricht mehr als große Worte, möge stellvertretend für Statistiken über verbrachte Stunden am Ring und unermüdliche Arbeit sprechen: Ein Sonntag nach einer Bombennacht in Hamburg im Jahre 1943. Im Besenbinderhof sollte geboxt werden. Der Arzt fehlte noch. Plötzlich erschien ein Mann, über und über verschmutz und barfuß, aber mit dem traditionellen Koffer in der Hand - Dr. Hardt. Er war ausgebombt worden, aber trotzdem fand er am anderen Morgen den Weg zur Boxveranstaltung. Und mit einem Satz tat er alle Fragen ab und brachte damit gleichzeitig seine Einstellung zum Sport und zum Leben zum Ausdruck: "Warum sollte ich nicht kommen? Es wird doch geboxt. Und das Leben geht doch weiter. Das ist schließlich das Wichtigste!"

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Gute Freunde waren wir immer!
von Leonhard Mandlar, Berlin, Ehrenvorsitzender im DABV und Ehrenmitglied im HABV

"Vierzig Jahre HABV" könnten ebensogut heißen: "Fünfzig, sechzig oder mehr Jahre Hamburger Boxsportgeschehen"! Wie ich schon im Jahrbuch 1924 ausführte, versuchte man bereits in den achtziger Jahren in Hamburg Boxkämpfe vor Publikum vorzuführen. Leider fehlen mir nähere Unterlagen. Fest steht aber, daß das Boxen, ob das moderne oder antike, zweifellos über die großen Hafenstädte nach Deutschland gekommen ist. Daran ändert auch nichts die Tatsache, daß bereits im Mittelalter in Nürnberg Nikolaus Petter die Box- und Ringekunst lehrte und ein Lehrbuch herausgab. Seefahrer, Weltreisende und Forscher überbrachten uns Kunde über eine der ältesten Leibesübungen der Menschheit.

Der erste Amateurboxkampf, der uns bekannt ist, fand zwischen dem berühmten 50-m-Rekordsprinter, späteren ersten deutschen Sportredakteur und Profiringrichter Kurt Doeery, Berlin gegen Paul Murray, Berlin, dem Vater der späteren deutschen Meisterschwimmerin, im Rahmen der Berliner Gewerbeausstellung 1896 statt.

Das führte aber nicht zu einer umfassenden Werbung für unsere Sportart und der die ganze Welt aufregende Kampf um die Weltmeisterschaft in USA zwischen Jeffries und Johnson 1905/6, der eine Werbung hätte sein können, wurde übertrumpft durch den Weltmeisterschaftskampf im Profiringen zwischen Eberle und Koch 1905/6 in Berlin. Dieser ganz Berlin erregende Kampf fand bei Kistenmacher in den Zelten am Tiergarten, einem Großbiergarten, statt und endete mit einem Fehlurteil, welches eine Seidelkanonade auf die Bühne entfachte, wobei der Deutsche Kronprinz beinahe getroffen wurde. Ein generelles Verbot für Boxen und Ringen war die Folge, Amateurringen ausgenommen.

Aber schon einige Jahre später regten sich einige findige und einfaltsreiche Unternehmer, um das Boxen auf Umwegen zum Geldverdienen zu benutzen. Sie gründeten Boxschulen bzw. sog. "Clubs", bildeten Leute aus und warben Zuschauer als Mitglieder, um das Verbot zu umgehen. Solche Einrichtungen gab es in Hamburg, Köln und Berlin, so um 1909- 1911. Dann bemühten sich aber auch schon Sammelsportvereine, insbesondere Leichtathletikvereine, um das Boxen als Leibesübung. Die Unternehmerclubs veranstalteten trotz Polizeiverbot sogar internationale Kämpfe und auch deutsche Meisterschaften. So wurde auch der Hamburger Otto Flint erster deutscher Profimeister, der sein Können dann 1919 bei dem inzwischen gründeten Berufsverband unter Beweis stellte. Flint war eine Werbung! In allen Zeitungen wurde darüber berichtet, soweit damals die Zeitungen für Sport überhaupt Interesse hatten.

Um 1912 herum gab es schon in allen Teilen Deutschlands Vereine, die sich trainingsmäßig mit Boxen beschäftigten. In Hamburg waren es der Verein für Herrenboxsport, der Eimsbütteler Turn Verein und Hamburger Box Club, die unter Gustav H. Hess und Wesemüller den Deutschen Boxverband gründeten und 1912 und 1913 deutsche Boxmeisterschaften durchführten. Die Meisterschaften 1912 sahen 29 Teilnehmer im Curiohaus in Hamburg, wo in 7 Gewichtsklassen Meister ermittelt wurden. Auch Hess wurde Meister. Von Berlin hatte sich der berühmte deutsche Armeegepäckmärschier Emmerich Rath gemeldet, unterlag aber, ferner Helmuth Kapitzke, welcher Leichtgewichtsmeister wurde und Hauschke, Stettin, der ebenfalls Meister wurde. Die beiden letzten bestätigten ihr Können nach dem Weltkrieg in den seither bestehenden offiz. Organisationen der Amateure und Profis und wurden 1919/20 auch deutsche Meister.

Von den in Hamburg vor dem ersten Weltkrieg gebildeten Vereinen überlebte B. C. "Sportingman", der sich später in "Sportmann 1914" umbenannte, und hier heute noch ein gewichtiges Glied des HABV ist.

Nach meinen Presseaufrufen zwecks Gründung deutscher Boxvereine und eines Reichsverbandes im November 1919 bildeten sich allerorts in allen Teilen Deutschlands bald Vereine und Abteilungen. So auch in Hamburg und hier war es 1920 schon so weit, daß man anläßlich der Gründung des DABV (DRfAB), wo die LV-Einteilung vorgenommen wurde, Hamburg ein besonderer Stadtverband als Kreis 2 des Nordwestdeutschen ABV werden konnte. Der Sitz des Nordwd. Verb. war für Hamburg, Lübeck bis etwa 1921. Aber schon für 1921 wurden die 2. Deutschen Meisterschaften des DABV (DRfAB) nach Hamburg vergeben. Hamburg hatte ja mit Friedemann einen deutschen Meister im Fliegengewicht erhalten. Iwan Blumenthal, ein schwerreicher Lübecker, hatte die Verbandsleitung; in Hamburg machte die Sache Ohlhaver.

Die Deutschen Meisterschaften 1921 waren dann aber nicht in die richtigen Hamburger Hände gelegt worden und auf meiner vorher vorgenommenen Inspektionsreise, einige Wochen vor den DM, fand ich nur einen Mann, der alles konnte und das war mein späterer, treuer Freund Paul Stephan. Alles konnte er noch in Schwung bringen, aber nicht mehr die Quartierfrage lösen, denn zwei Tage vor den DM begann der Norddeutsche Handwerkertag mit 30 Tausend Besuchern, die sämtliche Hotels und Gasthöfe belegten. Unsere Boxer, damals noch ohne jede Ansprüche, wurden in einem Massenquartier an oder Reeperbahn untergebracht. Der DABV-Vorstand fand sein Quartier auf zwei Parkbänken, die sich vor dem Tagungslokal in der Talstraße befanden. Vier Mann schliefen und zwei hielten immer zwei Stunden Wache. Für zwei Tage war dieses bei unserem Sportenthusiasmus nicht schwer und auch der Millionär machte mit! - Der Vorstand reiste damals sowieso auf eigene Kosten. Das nannte man damals Sportgeist und Kameradschaft!!

Die Meisterschaften wurden in der St. Pauli Turnhalle durchgeführt. Das war aber nicht so einfach! Zunächst mußte ich zum Polizei-Präsidium, um dort die Veranstaltung verspätet anzumelden und dann einen "Wandergewerbeschein als Schausteller" für 400 RM zu erstehen. Ich war also der erste "Rummelboxveranstalter der Amateure in Deutschland und wahrscheinlich auch der einziste"! Daß man von uns gewichtige Steuern haben wollte, versteht sich von selbst, aber ebenso, daß der Schatzmeister vergaß, diese Steuern zu bezahlen und mit dem Geld in seinem Rucksack (wörtlich) nach Norderney in den Urlaub dampfte.

Mandlar und Peper



Leonhard Mandler (links) und Karl Peper (rechts) sind die Senioren der beiden Verbände, die heute abend die Jubiläumsveranstaltung des Hamburger Amateur-Boxverbandes bestreiten. Sind sie auch beide nicht mehr die Jüngsten, so sind sie doch immer bei den wichtigsten Tagungen und Entscheidungen des Amateurboxsports beteiligt. Aus der Wiege haben sie den Boxsport gehoben, keine Mühe gescheut und viele persönliche Entbehrungen auf sich genommen, um ihrem Hobby nachgehen zu können.

Nach einigen Jahren juristischen Kampfes strich man den Betrag. In der Zwischenzeit war ja auch der Sohn des Hamburger Polizeisenators Nöldeke Mitglied des HABV und Sportwart des DABV geworden.
Später gab der Senat sogar für die dänische Ländermannschaft ein Essen im Rathaus und 1931 bei Deutschen Meisterschaften empfing uns der Reg. Bürgermeister mit Senatoren offiziell im Rathaus. Wahrhaftig ein gute Entwicklung. Die DM in der St. Pauli Turnhalle wurden in zwei Ringen ausgetragen und damals schied ein Boxer erst nach zwei Niederlagen aus der Konkurrenz. Insgesamt gab es 72 Teilnehmer.

Das Vorhergesagte soll heute keineswegs eine Vorhaltung, sondern ein alte interessante Erinnerung aus der Jugendzeit unseres Sportes sein. In Köln erlebten wir 1922 etwas anderes. Dort hatte ich z. B. in 5 Nächten 6 verschiedene Quartiere. Man wurde abends einfach durch Besatzungstruppen "ausgesiedelt" und mußte dann sehen, wo man unterkam.

Später war ich noch Dutzendemale in Hamburg, als Ring- und Punktrichter, wie als Mannschafts- oder Veranstaltungsleiter. Paul Stephan, im Boxjahrbuch 1930 als der "Nestor des deutschen Boxsports" durch Genz gezeichnet, seit 1921 Vorsitzender des HABV und inzwischen Ehrenvorsitzender des NWABV geworden, war nicht nur Gärtner und Dichter, sondern ein Philantrop reinsten Wassers. Wir wurden unverbrüchliche Freunde. Von Anfang an wurde zwischen dem Berliner Verband, dessen Vorsitzender ich ja auch war, ein reger freundschaftlicher Sportverkehr entwickelt und viele Hamburger und Berliner wurden Freunde, zum Teil fürs Leben. Aus der Zeit datiert natürlich auch der Städtekampf Hamburg- Berlin, der nach Unterbrechungen seine heutige Wiederkehr erlebt. Zeitig sah sich Paul Stephan nach geeigneten Funktionären um. Es ist mir hier nicht möglich sie alle zu nennen, aber schon 1925 war der heutige Rechtswart Ernst Kopf Geschäftsführer des HABV, Hermann Krause war dann erst zweiter Vorsitzender und ab 31 der Nachfolger, während der heutige Ehrenvorsitzende Karl Peper noch jetzt darauf besonders stolz ist, daß er mir als Reichssportwart den Einlaß zu den DM 31 bei Sagebiel verweigerte, weil ich die Eintrittskarte nicht vorweisen wollte, obwohl er wußte, wer ich war. Ich habe ihn damals belobt, daß kann er nicht vergessen.

  



Der HABV hat bedeutende Kämpfer, darunter Olympioniken, hervorgebracht, ebenso bedeutende Funktionäre, die nicht nur in Deutschland einen Ruf hatten. Hermann Krause ist z. Zt. 2. Vorsitzender des DABV, einen Posten, den Karl Peper ebenfalls vorher innehatte und Kopf ist der Treuhänder der Finanzen. Der ganze Arbeitsstab des HABV ist mit der Seele bei der Arbeit und das ist das untrügliche Zeichen dafür, daß Hamburg, schon vor Jahrzehnten eine Hochburg des Boxens, auch in Zukunft diesen Ruf behalten wird. Meine besten Wünsche für eine erfolgreiche Zukunft.

Leonhard Mandlar



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In einer Gaststätte am Paulinenplatz
Hamburg ist die Gründungsstadt des ersten deutschen Boxverbandes. Im Jahre 1912, als über das Boxen ein Reichsverbot verhängt war, wurde der erste deutsche Boxverband in Hamburg gegründet. Durch dieses Reichsverbot, das für die Hansestädte nicht galt, konnte in Hamburg geboxt werden. 1913, bei den ersten Deutschen Meisterschaften in Hamburg, war auch unser bekannter Ludwig Neecke dabei. Sein Vereinskamerad Lambert Fischer kam im Schwergewicht bis in die Endrunde. Geboxt wurde in der Halle des St.-Pauli-Turnvereins. In Hamburg selbst waren die Amateurboxer noch weit zurück. Der 1914 gegründete Athletik-Club Sportingman hatte die erste Boxabteilung. Nach dem ersten Weltkrieg kam aber für Hamburg der Aufstieg. Außer den reinen Boxvereinen wie Hermes, Sparta, Sportman gab es auch Boxabteilungen bei der Polizei und bei den Athletiksportvereinen. 1920 wurde dann der Hamburger Amateur-Boxverband gegründet, und zwar in St. Pauli, in einer Gaststätte am Paulinenplatz. Es wurde in zwei Verbänden geboxt, im Hamburger Amateur-Box-Verband und im Athletikverband, der aber später in den Amateur-Box-Verband aufging. Es sind inzwischen 40 Jahre vergangen. Der Hamburger Amateurboxsport wird wie bisher, auch in der Zukunft, immer mit richtungsweisend bleiben für den gesamten Amateurboxsport in Deutschland. Dieses ist mein Wunsch zu dem heutigen Ehrentag.

Karl Peper
Hamburger Amateur-Box-Verband e.V.
Ehrenvorsitzender

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Hans-Heinrich Bieter vom Spandauer Box-Club ist das As der Berliner Staffel. Er gehört seit Jahren zur absoluten deutschen Spitzenklasse. Das brachte ihm nicht nur 70 Siege in 83 Kämpfen, sondern auch die Berufung in die Kernmannschaft des DABV. Bei den letzten Deutschen Meisterschaften verlor der 25jährige Bauschlosser nur denkbar knapp gegen den mehrfachen Deutschen Meister Johannpeter II. Dieter brennt auf den Kampf mit Holger Frahm, denn beide gehören zur Olympia-Kernmannschaft des DABV und werden schon im nächsten Monat erneut aufeinander treffen.

Die Bilanz von Hans-Georg Hellwig kann sich sehen lassen. Er bestritt bisher 78 Kämpfe und 60mal verließ er als Sieger den Ring. Nicht nur die Bilanz, sondern vor allem seine Leistungen in internationalen Kämpfen haben den Sportausschuß des DABV bewogen, den 24jährigen Tischler vom BFC Nordstern in die Olympia-Kernmannschaft des DABV zu berufen. In dem deutschen Ex-Meister hat der Gast aus Berlin vor den schweren Ausscheidungskämpfen, bei denen er auch gegen einen Niederau bestehen soll, einen ernsthaften und gleichwertigen Prüfstein, denn sowohl Meinhardt, als auch Niederau sind als ausgezeichnete Techniker bekannt.


Hamburg - Berlin im Spiegel der bisherigen Ergebnisse
1924    in Berlin - Berlin gewinnt 12:4
1924    in Hamburg - Hamburg gewinnt 10:6
1925    in Berlin - Berlin gewinnt 13:3
1925    in Hamburg - Hamburg gewinnt 11:5
1926    in Berlin - Berlin gewinnt 13:3
1926    in Hamburg - Berlin gewinnt 11:5
1927    in Berlin - Berlin gewinnt 12:4
1927    in Berlin - Unentschieden 8:8
1931    in Hamburg - Hamburg gewinnt 10:6
1932    in Berlin - Berlin gewinnt 11:5
1935    in Hamburg - Hamburg gewinnt 11:5
1958    in Berlin - Berlin gewinnt 15:5

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Vorstand des HABV im Jubiläumsjahr
Ehrenvorsitzender Karl Peper
Vorsitzender Hermann Krause
2. Vorsitzender Erhard Prehm
Geschäftsführer Kurt Koch
Schriftführer Günther Wilke
Schatzmeister Hans Schrader
Kassierer Herbert Hinsch
1. Sportwart Herbert Möhring
2. Sportwart Ewald Jacob
Jugendwart Kurt Wolff
Jugendausschuß Hermann Sichtling und Karl Warnecke
Kampfrichter-Obmann Hans Müller
Rechtswart Ernst Kopf
Rechtsausschuß Otto Möller und Rudi Lill
Beisitzer Ernst Martens
Pressewart Walter Wolf

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Es geschah im Jahre ...
Schlaglichter sollen die Geschichte des HABV und seiner Vereine beleuchten. Sicher, der Krieg hat leider vieles wertvolle Material vernichtet, aber warum soll nicht der Versuch gemacht werden, wenigstens das aufzuschreiben, was noch in der Erinnerung ist. Dieses fehlt und jenes wurde vergessen - so wird es sicher heißen, wenn einige der "Alten" diese Schrift in der Hand halten. Gut, können wir dann nur sagen. Schließlich haben wir in 10 Jahren unseren 50. Geburtstag. Bis dahin werden wir sicher alle Lücken geschlossen haben, werden gewissenhaft alles aufschreiben, was bisher noch fehlt.


Um die Jahrhundertwende:
Seeleute waren es vor allem, die in England gesehen hatten, wie es um die "Edle Kunst der Selbstverteidigung" bestellt ist. Auf St. Pauli sollen die ersten Boxkämpfe veranstaltet worden sein. Unbekannt sind die Namen der Teilnehmer, aber ihr Verdienst soll darum nicht geschmälert werden.


1912:
Der Hamburger Boxing-Club richtet am 15. Dezember im Curio-Haus die ersten Deutschen Meisterschaften aus. Teilnehmer aus Dänemark, Brasilien und Rumänien sind dabei und 20 Hamburger Teilnehmer. In sieben Klassen werden Meisterschaften ausgetragen.


1913:
Deutsche Meisterschaften im Curio-Haus 1913. Ausrichter der Verein für Herrensport von 1910 e. V. Ausgetragen am 14. Dezember. 6 Deutsche Meister aus Hamburg.


1914:
Irgendwann im Monat August wurde der Box-Club "Sporting-men" gegründet. Ein "liegengebliebener" englischer Seemann soll sich mit einem Kreis Gleichgesinnter getroffen haben. Der BC Sportmann - so wurde der Name später geändert - gilt als der älteste reine Box-Club. Trainiert wurde in der Hinterstube einer Gastwirtschaft in der Rosenstraße.


1914-18:
Krieg! Wie alle Sportarten - so muß man zumindest annehmen - ruhte auch noch der junge Boxsport. Schon das mag als Mahnung gelten, daß sich diese Zeiten nie wiederholen mögen. Regiert doch dann an Stelle der Körperertüchtigung die Vernichtung!


1919:
Franz Gerloff, einer der Pioniere der Hamburger, beginnt seine Tätigkeit im Amateur-Boxsport. Er wird einer der profiliertesten Gestalten, Mitschöpfer des HABV.


1920:
Gründungsjahr bekannter Vereine. BC Sparta und die Boxabteilung der Polizei werden aus der Taufe gehoben. Bestanden hat schon der BC Condor, der später von Wilhelm Bischof geleitet wird. Bekannte Namen tauchen auf. Hermann Julow, noch heute unser Senior, Hermann Krause, heute Vize-Präsident des DABV, Karl Peper, heute Ehrenvorsitzender des HABV. Deutsche Meisterschaften in Berlin.
Zum ersten Male seit Bestehen des organisierten Boxsport ein Hamburger Erfolg. Felix Friedemann wird Deutschlands beste "Fliege".


1921:
Deutsche Meisterschaften in Hamburg. Organisator ist der unvergessene Paul Stephan, über dessen Verdienste DABV-Ehrenpräsident Mandlar bereits schrieb. Allerdings gingen die Hamburger leer aus. Trotzdem, die Werbewirkung der Meisterschaften machte sich bezahlt. Der Box-Club Olympia und der KS Lüneburg werden gegründet. Der 1903 gegründete Barmbeker Verein Goliath vereinigt sich mit dem Barmbeker Kraft-Sport-Verein zum heute noch bekannten BKSV Goliath.


1922:
Gründungsjahr des BC Bothmann, des Vorgängers des HBC Heros, ebenfalls gegründet wurde der Hamburger Box-Club. Hamburg ging bei den Deutschen Meisterschaften leer aus, aber schon beginnt der HABV Konturen anzunehmen. Der Name Paul Stephan steht immer wieder im Mittelpunkt.


1923:
Höhepunkt der Inflation in Deutschland. Aber wenn auch die Mark über Nacht nur noch einen Pfennig wert war, der Boxsport schlief nicht ein. Auch wenn die Voraussetzungen mangels fehlender Mittel immer schlechter wurden.


1924:
Der BC Bothmann wird aufgelöst und der HBC Heros gegründet. Hans Ohlsen übernimmt nach den Vorarbeiten den Vorsitz. Die Namen der damals zur Verfügung stehenden Kämpfer Walter Jarchow und Carl Sahm sind auch heute nicht aus dem Sportgeschehen wegzudenken. Heros-Condor sind die Kämpfe alter Rivalen. Walter Hacker, ein echter Rothenburgsorter, gründet den BC Eiche. Walter Hacker kämpfte selbstverständlich trotz seiner Vereinsarbeit weiter. Heute steht der verdiente Funktionär wieder an der Spitze seines Vereins. Neugründung auch in St. Georg, der erste Verein des "silbernen" Olympioniken Riedel Vogt. Nur vier Jahre sollte die Boxabteilung der Sportvereinigung bestehen bleiben, aber die Namen der Kämpfer Sichtling und Cantzler sind auch heute noch ein Begriff.

Das Jahrbuch 1924 des Deutschen Reichsverbandes für Amateur-Boxen enthält keine Zeile über den Nordwestdeutschen Amateur-Boxverband. Die damals bestehenden Vereine, bisher eine lose Gemeinschaft, wurden "auf Linie" gefaßt und Paul Stephan, der das Verbandsschiff sicher durch die Klippen der Inflation gebracht hatte, fand die richtigen Mitarbeiter, machte Hamburg zu einer Hochburg im Boxen, aber die Zeit für die "Schreiberei" fehlte offensichtlich.


1925:
Wie Pilze nach dem Regen schießen Boxvereine aus dem Boden. Leider gab es früher noch die Trennung zwischen den sogenannten Arbeitersportvereinen und den "bürgerlichen" Vereinen. Die Boxabteilung des Post-Sport-Vereins wurde aus der Wiege gehoben. Heinz Goetzke ging aus dieser Abteilung hervor, nach dem Kriege die heute noch aktiven Peemöller in Kanada, Schaller und Robohm und schon in den Gründerjahren war Männe Sichtling dabei, als Aktiver und ewiger Zweiter. Ihm aber ist es zu verdanken, daß die Abteilung 1947 wieder ins Leben gerufen wurde und im 30. Jahre ihres Bestehens leider die Arbeit einstellte, weil einfach keine Halle zur Verfügung stand. Am 31. Juli (nur wenige Vereine haben eine so genaue Chronik) wurde der VfL Hasenheide gegründet. Der damals 19jährige Ernst Kopf wurde Vorsitzender. Ringen, Boxen und Leichtathletik wollte man betreiben.


1926:
Im Arbeitersport begann die große Zeit des BC Eiche. Drei Jahre lang hintereinander wurden die Rothenburgsorter Deutscher Mannschaftsmeister. 5 Jahre lang Norddeutscher Mannschaftsmeister. Bei Veranstaltungen in Sagebiels Sälen gab es oft bis zu 3000 Zuschauer. Polizei-Hauptmann Nöldeke wurde in seinem Amt als 1. Vorsitzender des NWABV von dem Hannoveraner Genz abgelöst und erstmals verschob sich der Schwerpunkt der Arbeit nach Hannover. Im Frühjahr gab es im Verband 45 Vereine mit 2051 Mitgliedern. Die Provinz wurde stärker.


1927:
Verbandstag in München. Der NWDABV ist der stärkste deutsche Landesverband. In 66 Vereinen sind 3552 Mitglieder. Gute Breitenarbeit wird geleistet, aber die Pflege des Nachwuchses läßt noch in Hamburg zu wünschen übrig.


1928:
Olympisches Jahr. Walther vom BC Sportmann Hamburg wird Deutscher Meister im Weltergewicht und fährt als erster Hamburger Boxer zu den Olympischen Spielen. Der NWDABV hat leistungsmäßig gewonnen, aber die Zahl seiner Mitglieder ging zurück. Es sind 56 Vereine mit 3230 Mitgliedern. Riedel Vogt ging zum VfL Hasenheide.


1930:
Die große Zeit der Polizei-Sportvereinigung Polizei begann. Hanne Wichmann hatte das Training übernommen. Hamburg sah wieder die Deutschen Meisterschaften, aber noch bleiben zählbare Erfolge aus. Der Altonaer Boxclub wurde gegründet.


1931:
Das Ende des Jahres 1931 brachte den größten Verlust für den Boxsport. Paul Stephan, der Nestor des Boxsports in Norddeutschland, starb. Bei den Deutschen Meisterschaften wird den Norddeutschen, vor allem den Hamburgern, bescheinigt, daß sie den saubersten Stil zu boxen verstehen.


1933:
Aderlaß für den Boxsport. Auch wenn die Arbeitersportvereine nicht dem Deutschen Reichsverband für Amateur-Boxen angeschlossen sind, bedauerten doch alle aktiven Sportler, daß solch verdienten Vereinen wie dem BC Eiche und dem BKSV Goliath die weitere Tätigkeit untersagt wird.


1935:
Der ETSV 80, bis 1945 sehr rührig im Boxgeschehen, wird gegründet. In Hamburg brennt ein Mittelgewichtler darauf, sich bei den Deutschen Meisterschaften bewähren zu können. Addi Baumgarten. Aber noch ist seine Zeit nicht.


1936:
Hamburger Paukenschlag bei den Deutschen Meisterschaften in Dortmund. Archie Graf und Addi Baumgarten werden im Fliegen- und Mittelgewicht Deutsche Meister. Ja die deutsche Nationalstaffel wurde sogar einmal von einer Staffel der Hamburger mit 10:6 geschlagen. Und Riedel Vogt belegt bei den Olympischen Spielen den 2. Platz.

Addi Baumgarten




1937:
Herbert Nürnbergs große Stunde schlägt bei den Deutschen Meisterschaften in Bremen. Er wird Deutscher Meister im Leichtgewicht und ist jahrelang aus der Nationalstaffel nicht wegzudenken und heute noch Rekordinternationaler. Wieder steht auch Addi Baumgarten an der Spitze im Mittelgewicht. Sensation bei der Alsterstaffel. In der Klasse für Vereine, die Leichathletik als Nebensport betreiben, belegt der VfL Hasenheide den 1. Platz.

Herbert Nürnberg




1938:
Das letzte Jahr vor dem Krieg. Inzwischen sind gute Verbindungen mit dem Ausland aufgebaut worden. Dänen und Schweden sind ständige Gäste in der Hansestadt und Hamburger Boxer sind überall willkommen. Wieder heißt der Mittelgewichtsmeister Addi Baumgarten.


1939-1944:
Im besten Mannesalter stehend, kerngesund und kräftig, sind, die Boxer natürlich die ersten, die in den Krieg ziehen müssen. Nur eine kleine Spitzengruppe genießt noch einige Vorteile, wird immer wieder zu Repräsentationskämpfen herangezogen und kann sich dem Sport widmen. Das Wunder eines Meisterschaftsjahres vollbrachte Federgewichtler Werner Kirsche. In einem Jahr wurde er Deutscher Meister bei den Senioren und den Junioren. Trotz des Krieges versuchten die Daheimgebliebenen den Boxbetrieb aufrechtzuerhalten. Es gelang unter größten Mühen, mit Jugendlichen und Veteranen und den wenigen Aktiven, die für einige Zeit dem Krieg entrinnen konnten.

Werner Kirsche


1945-1947:
Der Krieg war zu Ende. Die Überlebenden zogen Bilanz. 48 der Besten waren geblieben. Stellvertretend, für die sinnlosen Opfer seien nur Addi Baumgarten, Werner Kirsche und Archie Graaf, die Deutschen Meister der Senioren, Schrant, Letz, Jauers als Deutsche Meister der Junioren genannt. Die alte Garde der Funktionäre lag nicht auf der Bärenhaut. Hinter verschlossenen Türen wurde zum Teil noch getagt. Und die Arbeit mußte - Rudi Lill, Vorsitzender des HABV von 1947-1948 kann ein Lied davon singen - aus eigener Tasche bezahlt werden. Hamburg kann jedoch für sich in Anspruch nehmen, den Amateurboxsport in der britischen Besatzungszone wieder ins Leben gerufen zu haben. Karl Peper und Ernst Kopf - man erspare mir das Aufzählen der Namen - gehörten zu den Initiatoren. Karl Peper wurde Vorsitzender der Hamburger Sparte Boxen, 1946 schon Vorsitzender des Fachausschusses für die britische Zone und als 1947 der Fachausschuß für die britische und die amerikanische Zone Deutschlands auf die Beine gestellt wurde, war Karl Peper "Vize" und Ernst Kopf gehörte selbstverständlich auch zu den Spitzen.


1948:
Erste deutsche Nachkriegsmeisterschaften. Viele Namen fehlten. Der Krieg hatte seine Opfer gefordert, die Jahre hatten manchem Talent ein Schnippchen geschlagen und vor allem hatten auch die Nachkriegsjahre manchen Amateur zum Berufsboxer werden lassen.


1949 bis heute:
Das sportliche Leben begann sich zu normalisieren. Alle fanden sich im HABV zusammen. Die einst verbotenen Vereine wie Goliath und Eiche hatten ihre Arbeit wieder aufgenommen und einige Neugründungen hatten ebenfalls ihre Tore für den Nachwuchs im Sport geöffnet.
Neu in der Familie seit 1945 waren die Boxabteilung des Eisenbahner Turn- und Sportvereins, der VfL 93 unter Trainer Herbert Hinsch, Ottensen 93, der TSV Glinde nahmen die Arbeit auf. SV Rissen begann 1949 aufzubauen. 1954 wurden die Geschicke der Boxabteilung des Vereins von zwei guten Freunden übernommen. Erhard Prehm, jahrelang aktiv im Hamburger Boxclub, und einst Schüler von Hanne Wichmann, übernahm die Abteilungsleitung und holte seinen alten Trainer nach Rissen. 1949 war auch das Gründungsjahr der Boxabteilung des TSV aus der Rosenstadt Uetersen, 1952 wurde die Boxabteilung des TSV Alstertal ins Leben gerufen, seit 1954 arbeitet die Boxabteilung des TSV Wedel unter G. Wilke, der Harburger Box-Club, trainiert von dem ehemaligen Polizei-Boxer und Hamburger Repräsentativen Karl Warnecke, besteht seit 1956 und hat einen ungeahnten Aufschwung genommen. Im November 1957 wurde der BC Hanseat ins Leben gerufen. Trotz anfänglicher Befürchtungen hat sich erwiesen, daß neben dem BC Sportmann auch ein zweiter Verein auf St. Pauli existieren kann. 1958 wurde die Boxabteilung der FC Süderelbe beschlossen und nach der Auflösung der Boxabteilung des TSV Glinde, in der sich der HABV-Sportwart Herbert Möhring die Sporen verdiente, ging der größte Teil der Aktiven zu dem Billstedter Verein Wacker und gründete unter dem jetzigen HABV-Jugendwart Kurt Wolff eine Boxabteilung. Dann kam der BC Wilhelmsburg. Bis 1959 noch Abteilung des HBC Heros, trennte man sich später, um in Zukunft unter den eigenen Farben kämpfen zu können. Und jüngstes "Kind" ist seit 1959 die Dockenhudener Turnerschaft.

Sieg und Niederlagen, große Freude und Verbitterung liegen auch im Sport nahe beieinander. Nicht immer war man gleich einer Meinung, aber immer wieder hat sich bewiesen, daß der Sinn nach echter Gemeinschaft die Entscheidungen in letzter Konsequenz beeinflußten. Dank sei darum an dieser Stelle noch einmal allen gesagt, den Deutschen Meistern der Nachkriegsjahre Wolfgang Schwarz, Peter Goschka, Heini Meinhardt, Albert Westphal, Karl Schönberg, Uwe Janssen und Fritz Oldenburg. Dank sei aber auch jenen Aktiven gesagt, die niemals international im Ring stehen werden, die aber immer zur Stelle sind, wenn sie gerufen werden.

Peter Goschka  Wolfgang Schwarz



Dank sei den Trainern gesagt, den bekannten Hans Wichmann und Werner Priess, Franz Muck und Alfred Rehn. Dank aber auch den Übungsleitern, deren Namen man nicht nennt, die aber trotzdem immer bereit sind, ihre Fähigkeiten in den Dienst der Sache zu stellen. Dank sei den Funktionären gesagt. Einem Karl Peper, der nach unermüdlicher Tätigkeit an der Spitze des Verbandes sein Amt an Hermann Krause abgab, einem Ernst Kopf und Rudi Lill, Erhard Prehm und Ewald Jacob, Manne Sichtling und Hans Müller, Kurt Koch und Otto Möller, Herbert Hinsch und Ernst Martens, Hans Schrader und den jungen Funktionären, die heute dem Vorstand angehören und nicht immer darauf hören wollen, wenn die Erfahrungen der älteren Generation die Entscheidungen beeinflussen sollen. Dank sei aber auch dem letzten Vereinsfunktionär gesagt, ohne dessen Hilfe es eben keine Fortschritte im Sport geben kann. Und Dank schließlich auch den Unparteiischen, die immer wieder im Mittelpunkt der Kritik stehen, oft die Nase gestrichen voll haben und doch immer wieder alle Rücktrittsabsichten dementieren, weil eben doch die alte Liebe nicht rostet.

Walter Wolf

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EHRENTAFEL
Olympia-Teilnehmer 1928: W. Walther
Olympia-Teilnehmer 1936: R. Vogt, Silberne Medaille; A. Baumgarten
Olympia-Teilnehmer 1952: H.-W. Wohlers, Bronze-Medaille

Europa-Meister wurden:
H. Nürnberg 1937 u. 1939; F. Raeschke 1942

Deutsche Meister wurden:
1912: Jörn (Bantam), Schmidtke (Leicht), Hess (Welter), Sorge (Mittel), Turner (Halbschwer).
1913: Burch (Bantam), Schmidtke (Feder), Vahlendieck (Leicht), Hess (Welter), Henkel (Mittel), Turner (Halbschwer und Schwer).
1920: Friedemann (Fliegen)
1924: Eckart (Leicht), Riecke (Mittel)
1925: Kruse (Leicht) 1928: Walther (Welter)
1936: Graaf (Fliegen); Baumgarten (Mittel)
1937: Baumgarten (Mittel)
1938: Baumgarten (Mittel)
1940: Schmidt (Halbschwer)
1941: Raeschke (Welter), Schmidt (Mittel), Baumgarten (Halbschwer)
1942: Schmidt (Halbschwer)
1943: 0. Götzke (Bantam)
1944: H. Goetzke (Fliegen), Kirsche (Feder), Schmidt (Halbschwer), ten Hoff (Schwer)
1953: Westphal (Halbschwer)
1954: U. Janssen (Schwer), Oldenburg (Welter)
1955: Schwarz (Bantam)
1957: Goschka Bantam), Meinhardt (Halbmittel)
1958: Goschka (Feder), Schönberg (Mittel)
1959: Goschka (Feder)

  

In der Nationalstaffel boxten außerdem:
Priess, Fick, Cunow, Platte, Weber, Schrant, Wegener, G. Janssen, Käding, Frahm u. Maass. Deutsche Meister wurden die Hamburger für Berlin Graaf (Feder) 1939, 1940, 1941, Nürnberg (Leicht) 1940, 1941, 1942. Zonenmeister wurde 1946 Schirrmann und 1947 Riemann.

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© 2000,  Jens Gatzenmeier

 Stand: Oktober 2007