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Athleten-Club Einigkeit Elmshorn von 1893 e.V.

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Auf der Grundlage der nachstehenden Niederschrift unseres Vereinskameraden Hans von Bargen wurde anlässlich des 100jährigen Vereinsjubiläums die Vereinschronik erstellt.


 Hans von Bargen
 Vorwort

Da mein Sportkamerad Charly und ich die Einzigsten sind, die seit der Neugründung unseres Vereines am längsten aktiv immer für den Boxsport tätig waren, hat Bodo Pohl mich gebeten, einen kleinen Rückblick über die Vereinsgeschichte und der Entwicklung unseres Boxsportes in Elmshorn überhaupt, zu geben. Da mir aber Vorträge und Ansprachen nicht liegen, habe ich mich bisher immer davor gedrückt. Besser wäre es gewesen, wenn Charly und ich den Bericht zusammen ausgearbeitet hätten; denn sicher weiß er über manches Wichtige zu berichten, wo ich nicht dabei war, oder was ich längst vergessen habe. Es sollen hier keine Einzelheiten oder ganze Kampfveranstaltungen erörtert werden; dazu müsste man mehrere Stunden in Anspruch nehmen. Ich will auch keinen Boxer besonders hervorheben, es sei denn, es handelt sich um Kämpfer, die durch Fairness, Kampfgeist, Trainingsfleiß und gutes sportliches Verhalten ans Licht der Öffentlichkeit gerückt sind und allen anderen damit ein gutes Vorbild sind. Da nicht jeder von Natur aus mit großen sportlichen Talenten und Körpereigenschaften ausgestattet ist, kann auch nicht jeder eine Kanone sein. Es ist aber nicht jede Sportskanone ein gutes Ideal. Manche Kanonen haben durch Unsportlichkeit dem Ruf ihres Sportes und ihres Vereines geschadet. Uns ist jeder willkommen, der bereit ist, Boxsport zu betreiben. Egal, ob nur zur eigenen Körperertüchtigung, oder ob er beabsichtigt, öffentlich zu boxen der gar als passives Mitglied den Verein zu unterstützen. Nur Störenfriede wollen wir nicht.


 Das Vereinsgeschehen des A.C. Einigkeit.
 Zusammengefaßt von Hans von Bargen

Im Jahre 1895 wurde der Verein von einem Max M a a k gegründet. Sicherlich hat auch dieser Mann mit seinen Mitgliedern Schwierigkeiten überwinden müssen, bis der Verein Mitte der zwanziger Anfang der dreißiger Jahre die Höhe seines Ruhmes erreicht hatte. Dieses war eine Zeit, von der die meisten hier von euch nichts wissen, und ich selbst nur wenig weiß, weil ich damals noch ein kleiner Schuljunge war.

Es war eine Zeit, in der eine Wirtschaftskrise die andere ablöste. Deutschland war in viele Parteien zersplittert und die Arbeitslosigkeit wuchs mit jedem Tage. Viele Menschen hatten viel Zeit und Muße. In dieser Zeit nun feierte Einigkeit seine großen Triumphe. Der A.C. Einigkeit bestand aus Ringern, Gewichthebern und ganz am Rande lief der bei der breiten Masse damals noch ziemlich unpopuläre Boxsport.

Das Hauptkontingent bildeten die Ringer. Sie hatten mindestens 5 kampffertige Mannschaften zu bieten. Gerungen wurde im griechisch - römischen Stil. Auch wurden mehrere norddeutsche Ringermeister herausgebracht. Die großen Sportveranstaltungen im Karlstal bzw. im Klosterhof, aber auch die Maskeraden und Bälle, garantierten den finanziellen Rückhalt. Darum fehlte dem Verein auch nichts, was an Geräten und Sportszeug benötigt wurde. Sogar eine Musikkapelle gehörte zum Verein. Die Eintrittspreise lagen so, daß selbst Arbeitslose eine Sportveranstaltung besuchen konnten. Derartige Unkosten, wie sie beispielsweise heute bei einer Veranstaltung entstehen, gab es damals nicht. Das Jahr 1933 rückte heran. Deutschland zählte bereits 7 Mill. Arbeitslose. Die Politik sollte auch bald das Schicksal unseres Vereines besiegeln.

Am 3o. Januar 1933 übernahm Hitler die Macht. Die Nazis begannen mit ihrer sogenannten Säuberungsaktion. Auch der Sport blieb davon nicht verschont. Rasensport, die freie Turnerschaft, Fortuna, die Rot - Sportvereinigung und der A.C. Einigkeit wurden verboten und aufgelöst. Die Geräte übernahmen die noch verbleibenden Vereine. Einige Sportler wechselten in andere Vereine über, andere hörten ganz auf. Einige landeten aber auch wegen ihrer politischen Einstellung im K. Z.

Im E.M.T.V. wurde dann eine neue Schwerathletik - Abteilung gegründet, der auch ich als Boxer beitrat. Die Ringermatte und ein Teil der Boxhandschuhe waren von Einigkeit übernommen worden. Um diese Zeit war aber schon zu erkennen, daß es mit der Popularität des Ringens vorbei war. Bei der Wehrmacht und vielen anderen Verbänden wurde Boxen in den Sportstunden eingeführt. Hamburg wurde bereits in diesen Jahren Boxhochburg, woran unser Trainer Hans Wichmann maßgeblichen Anteil hatte.

Nach 5 Jahren schlief die Schwerathletenabteilung ein. Im Jahre 1937 wurde dann im E.M.T.V. von einem gewissen Ali Drews der heute noch in Elmshorn lebt, eine reine Boxabteilung gegründet. Er war gleichzeitig unser Trainer. Die Boxabteilung wurde vom E.M.T.V. stiefmütterlich behandelt; obgleich Ali Drews bestrebt war, das Beste aus der Abteilung zu machen. An guten Boxern fehlte es nicht mehr. Es kamen auch nur ein paar Kämpfe zustande, in einem nur primitiven Ring. Im Hochsommer 1939 begann der Krieg. Nach und nach wurden alle jungen Männer eingezogen. Somit ruhte in Elmshorn für mehrere Jahre der Schwerathletiksport. Von meinen damaligen Sportskameraden kehrten die meisten nicht zurück.

Im Jahre 1946 wurde dann der Verein von: Artur Schulz, Heinrich Ratlau, Max Saggau und Kurt Brauer, alles ehemalige Ringer aus Einigkeit 1893, neu gegründet. Artur fungierte in den ersten Jahren als Vereinführer. Am 1. September 1946 erreichte ich nach 2 maligem Fluchtversuch aus der französischen Gefangenschaft meine Heimatstadt Elmshorn. Als ich hörte, in Elmshorn würde wieder geboxt, trat ich sofort dem Verein bei. Die Aktiven Einigkeits bestanden von nun an nur noch aus Boxern. Von den alten Vereinsgeräten war nichts mehr vorhanden. Als nazigeschädigter Verein machten wir später unsere Wiedergutmachungsansprüche geltend, Max Saggau nahm für uns die Sache in die Hand. Unsere alten Einigkeitler konnten sich aber nie von dem Gedanken, das Ringen wieder einzuführen, frei machen; obgleich das Ringen keine Chance mehr hatte.

Heinz Sieg, Kindler und ich, haben 5 mal für den Verein gekämpft. Die Glückstädter waren sehr auf der Höhe. Sie konnten damals gegen die Grosstadtvereine bestehen. Das Essen wird dabei nicht die letzte Rolle gespielt haben. Auch traten wir zusammen mit Barmstedt gegen Glückstadt, in Glückstadt im selben Jahr noch an. Werner Gloszat holte für uns den einzigsten Punkt. Ich traf dort auf Bernhard Rupprecht, Glückstadt's As. Er boxte damals fast 2 Jahre und hatte alle Kämpfe ausnahmslos durch K.O. gewonnen. Darunter Gaumeister und Hamburger Meister. Ich verlor nur knapp nach Punkten. Ein Unentschieden wäre auch noch zu vertreten gewesen.

1948 bekamen wir einen noch sehr unvorschriftsmäßigen Ring. Unsere Mittel erlaubten uns nichts Besseres. Wir machten unseren 1. Kampf im Klosterhof gegen Ulzburg und gewannen. Jetzt begannen wir in unserer eigenen Stadt bekannt zu werden. Wir fingen an, gegen kleinere Hamburger Vereine, z.B. Goliath, zu boxen. Auch in Uetersen und Pinneberg entstanden Boxvereine. Kämpfer von uns mußten bei Kämpfen in Uetersen und Pinneberg einspringen. Die Zeit verging, Die Währungsreform kam, und bald war das Jahr 1949 da.

Unser Kampf in Ulzburg zur 5oo Jahrsfeier kam noch dazu, wo Hein ten Hoff als Ringrichter amtierte. Zu dem kleinen alten Stamm hatten sich allmählich neue, gute Kämpfer herausgeschält, wie z.B. Gloszat, Lichte, Berndt, Dettmann usw. Brendemühl, Oberpichler und Junge kamen noch dazu, da ihre Vereine eingingen. Bei den Jungens waren es Ziemann und Neumann. Jetzt gab es im Klosterhof gute technische, aber auch kämpferische Leistungen. Ein gewisser Babin löste Heiz Sieg für 1 1/2 Jahre als Trainer ab. Sehr zum Unsegen unserer Boxer, da er vom Boxen keine Ahnung hatte. Trotz allem aber verliefen die Veranstaltungen erfolgreich. Klosterhof wurde zum Kino umgebaut. Wir wagten uns trotz hoher Unkosten auf die Rennbahn. Im Sommer veranstalteten wir im Freien und die andere Zeit in der Reithalle. Einen stabilen Hochring hatten wir jetzt auch bekommen. Gleich die erste Veranstaltung war ein voller Erfolg. Elmshorn erschien plötzlich in Schröder ein neuer K.O. Matador. Er gewann die ersten 5 Kämpfe durch K.O. Aber sein Stern war schnell verblasst. Das Boxen in Elmshorn gewann an Popularität, wie man es sich nicht hätte träumen lassen. Der Anfang dieser Zeit wurde noch zu unserem Segen.

Der im Boxsport weit über die Grenzen seiner Heimatstadt Hamburg bekannte Hans Wichmann wurde unser Trainer. Er war es, der durch sorgsames und gleichwertiges Zusammenstellen der Kämpfe unsere Boxer vor vernichtenden Niederlagen zu schützen verstand. Er baute die Kämpfer systematisch auf.

Die Zuschauerzahlen gingen bei den Veranstaltungen auf der Rennbahn in die Tausende.
Die besten Vereine aus Hamburg, Lübeck, Kiel, Flensburg usw. gaben hier ihr Stelldichein. Unsere Boxer boxten namhafte Gegner des deutschen Amateurboxsportes. Darunter Gaumeister, Hamburger Meister, 2. u. 5. deutsche Meister, 1. deutscher Meister.

Dem deutschen Meister Olderburg trotzte Gloszat ein unentschieden ab. Ferner schlug er in Hamburg den mehrfachen Hamburger Meister Rohn. Dreimal erreichte er die Endrunde der Hamburger Meisterschaft. 2 mal sah ich ihn durch ein glattes Fehlurteil gegen Goldmann verlieren.

Bei einer Großveranstaltung in der Ernst Merck Halle, Hamburg gegen Warschau, vertrat er im Halbmittelgewicht Hamburgs Städteauswahl. Gegen die Klasse und die Qualität eines mehrfachen polnischen u. mehrfachen Europameisters Drogoss stand er auf verlorenem Posten. Eine Ko.- Niederlage, deren er sich gewiß nicht zu schämen braucht, war die Folge. Diese Veranstaltung lief über das Fernsehen. Nach Erringen einer Hamburger Meisterschaft kam er bis in die Vorrunden zur deutschen Meisterschaft. Aber auch sah ich Heinz Bernd den mehrfachen Hamburger Meister Risse auf die Bretter schicken.

Ein schwergewichtiger Gegner für unseren Brendemühl war aus Hamburg kaum noch zu bekommen. Für ihn mussten extra Gegner aus den Provinzen herangeholt werden. Er gewann meistens durch Ko.

Ein besonders gelungener und schöner Boxabend war eine Wohltätigkeitsveranstaltung für die Kriegsversehrten in der Reithalle. Viel Boxprominenz des Amateur- und Berufsboxsportes war eingeladen und dem Publikum im Ring vorgestellt worden. Darunter waren der damalige Europameister im Halbschwergewicht Willi Hoeppner und Deutschlands immer noch populärster Sportsmann, Exweltmeister im Schwergewicht, Max Schmeling. Unter lang anhaltenden tosendem Beifall betrat Maxe den Ring. Mit einer kleinen Ansprache eröffnete er den Beginn der Kämpfe. Die Leistungen in den Kämpfen liessen die Zuschauer vor Begeisterungsstürmen von den Bänken hochreißen. Aber auch auf Max Schmeling und die anderen Prominenten des Boxsportes hätten die Leistungen der jungen Amateurboxer hier in dem kleinen Elmshorn wohl keinen besseren und würdigeren Eindruck machen können.

3 - 4 Jahre währte wohl so unsere Glanzzeit auf der Rennbahn. Durch das Nichterscheinen gegnerischer Boxer bei Veranstaltungen war nicht immer gleichwertiger Ersatz zur Stelle. Hierdurch wurde das Publikum anfangs verschnupft. Ein Absteigen vom Höhepunkt war nicht mehr zu leugnen. Manche Kämpfer hatten den Höhepunkt ihres Könnens überschritten. Brendemühl war inzwischen zu den Profis gegangen, Bernd und Lichte hörten mit boxen auf. Die Zuschauerzahlen waren erheblich zurückgegangen. Die hohen Unkosten auf der Rennbahn begannen die Einnahmen zu übersteigen. Wir waren gezwungen, in kleinerem Rahmen zu veranstalten.

Der Langeloher Hof wurde unser nächstes Veranstaltungslokal. Heini Heumann schien ein neuer Nachfolger Werner Gloszat. zu werden. Seine Kämpfe, als Schüler angefangen bis anfangs bei den Senioren, hatten sein großes boxerisches Talent und sein Reaktionsvermögen bewiesen. Aber mangelhaftes Training und Unstetigkeit ließen unseren Heini keinen Meister werden. Hans Wichmann sagte einmal: "Mit der Luft und der Kondition eines Heini Lichte wäre er wohl deutscher Meister geworden." Außerdem hatten sich jetzt Schenon, Segen, Brehm und M. Neumann usw. in den Vordergrund geboxt. Sie sorgten weiterhin im Langeloher Hof für gute Kämpfe. Paul Fege war inzwischen Vereinsvorsitzender geworden. Vom Langeloher Hof wechselten wir nach Bruhns über. Hier lief es einige Jahre noch recht gut, bis die Veranstaltungen in Elmshorn allmählich weniger wurden.

Zwei Vereinsmaskeraden wurden bei Bruhns ebenfalls abgehalten. M. Neumann, H. Neumann blieben allmählich dem Sport ganz fern. Seitdem jetzt Beuck das Lokal von Bruhns wieder übernommen hat, ist es mit den Veranstaltungen, ich hoffe ja nur, vorübergehend, erst mal Schluß. Auch wären wir jetzt wieder auf Ersatz von den anderen Vereinen angewiesen, da wir z.Z. keine eigene volle kampffertige Mannschaft aufstellen können.

Von heute auf morgen ist auch keine gute kampffertige Mannschaft aufgebaut. Es dauert seine Zeit. Aber wir standen schon schlechter da, wie ihr aus diesem Bericht entnehmen könnt. Dieter Segen, Siggi Brehm, Hartmut Rex usw. garantieren uns, dass der Anschluß zu neuen Erfolgen im künftigen Elmshorner Boxgeschehen nicht verloren geht. Mit guten Ersatzleuten von außerhalb zu veranstalten, erwies sich wohl oft als eine gute Notlösung; aber auf die Dauer ist es nicht das Richtige. Das Publikum will in erster Linie seine eigenen guten Boxer kämpfen und siegen sehen. Nur so werden die Veranstaltungen ein voller Erfolg; denn was in Elmshorn möglich ist, das bewies die Zeit auf der Reit- und Rennbahn.


Quelle: Archiv des AC Einigkeit

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© 2000,  Jens Gatzenmeier

 Stand: Oktober 2007